Es ergibt sich also folgendes:

1. daß die geschäftigen Leute, die diese Frage für leer und überflüssig halten und glauben, daß man auch ohne sie auskommen könne, Pöbel und Insekten sind, Gras im Feuer;

2. daß es sich um die dringende Frage handelt: kann man, wenn man zivilisiert, d. h. Europäer ist, überhaupt glauben? Ich meine: einwandlos an die Göttlichkeit des Gottessohnes Jesus Christus glauben? (Denn nur darin besteht doch der ganze Glaube, daß man an Christi Göttlichkeit glaubt.)

NB. Auf diese Frage antwortet die Zivilisation durch Tatsachen mit einem Nein (Renan) und mit dem Beweis, daß die Gesellschaft das reine Verständnis Christi nicht hat rein erhalten können (der Katholizismus ist Antichrist, Hure, der lutherische Protestantismus aber ist Molokanentum)[59].

3. Wenn es aber so ist (d. h. wenn man also nicht daran glauben kann), vermag dann die Menschheit überhaupt ohne Glauben zu leben (mit der Wissenschaft z. B., Alexander Herzen)?[60] Die sittlichen Grundlagen werden den Menschen durch Offenbarung gegeben. Vernichtet man im Glauben bloß irgend etwas, so stürzt die ganze sittliche Grundlage des Christentums ein, denn (alles ist untereinander verbunden) das eine zieht das andere nach sich.

Ist nun also eine andere, eine wissenschaftliche Sittlichkeit (ein wissenschaftliches Ethos) überhaupt möglich?

Wenn nicht, so wird folglich die Sittlichkeit nur vom russischen Volke aufbewahrt, denn das russische Volk ist rechtgläubig.

Wenn aber die Rechtgläubigkeit für den Zivilisierten unmöglich ist (und in hundert Jahren wird halb Rußland zivilisiert sein), so ist folglich alles nur ein Naturspiel, und die ganze Kraft Rußlands nur eine zeitweilige. Auf daß sie jedoch ewig sei, ist voller Glaube an alles unbedingt erforderlich ... Aber kann man denn glauben?

Zuerst, vor allen anderen Dingen, gilt es, diese Frage zu lösen: Kann man überhaupt ernstlich und wahrhaft glauben?

Hierin liegt alles, der ganze Lebensknoten des russischen Volkes, seine ganze Bestimmung in der Zukunft und sein ganzes zukünftiges Sein.