Ist es aber unmöglich, so zu glauben, dann ist es doch durchaus nicht so unverzeihlich, wenn jemand verlangt, daß man alles verbrennen soll. Beide Forderungen sind vollkommen gleich menschenfreundlich. (Langes Leiden und dann Tod oder kurzes Leiden und Tod. Das Letztere ist selbstverständlich menschenfreundlicher.)

Das also wäre das Rätsel?

NB. Sie können natürlich gegen die Richtigkeit der logischen Folgerung obiger Thesen vieles einwenden, können streiten, nicht zustimmen, z. B. von der gelehrten rechten Seite behaupten, daß das Christentum nicht in der Form des lutherischen Protestantismus fallen werde, d. h. indem man Christus nur als gewöhnlichen Menschen, als segensreichen Philosophen auffaßt (denn das ist doch der Ausgang des lutherischen Protestantismus), oder von der linken Seite behaupten, das Christentum sei keineswegs eine Notwendigkeit für die Menschheit und durchaus nicht die Quelle des lebendigen Lebens (die hitzigen Kleinen schreien ja schon, daß es sogar schädlich sei), daß z. B. die Wissenschaft der Menschheit das lebendige Leben sowie das vollendetste sittliche Ideal geben könne. Diese Widersprüche sind natürlich zu erwarten, ist doch die Welt voll von ihnen und das wird sie ja noch lange sein. Aber Sie, Schatoff, und ich, wir beide wissen doch, daß das alles Unsinn ist, daß Christus-Mensch im Gegensatz zu Christus-Gottessohn weder Erlöser noch Quelle des Lebens sein kann, daß die Wissenschaft allein niemals das ganze menschliche Ideal erfüllen wird, und daß die Lebensquelle, die Beruhigung des Menschen und die Rettung aller Menschen vor der Verzweiflung und die Bedingung sine qua non für das Sein der ganzen Welt in diesen Worten enthalten ist: Und das Wort ward Fleisch, und im Glauben an diese Worte. Früher oder später werden doch alle darin übereinstimmen, und somit ist denn wieder die ganze Frage nur: Kann man an all das glauben, woran zu glauben die Rechtgläubigkeit befiehlt? Wenn nicht, so ist es viel besser und humaner – alles zu verbrennen und sich Werchowenski anzuschließen.

Stawrogin (der Fürst) und Schatoff

Der Fürst: „Ich mache Sie darauf aufmerksam, und ich hebe es noch ganz besonders hervor, daß diese Fragen unvergleichlich wichtiger sind, als sie zu sein scheinen, wenn auch das sehr alte Neue an ihnen nur dies ist, daß wir beide ihre unermeßliche Bedeutung und die unbedingte Notwendigkeit ihrer Lösung erkannt haben.“

Ach! Wozu auf ganze tausend Jahre vorauslösen!“ rief Schatoff (d. h. also die langsame Zersetzung). „Besser ist, wir leben in der Gegenwart und erfüllen das Gegenwärtige, ohne daran zu zweifeln, daß weiterhin Gott helfen wird.“

„Versuchen Sie es, so zu leben!“ sagte der Fürst lachend und ging.

Stawrogin (der Fürst) und Schatoff

„Darum ist Werchowenski auch so ruhig,“ sagt der Fürst, „weil er überzeugt ist, daß das Christentum für das lebendige Leben der Menschheit nicht nur nicht unbedingt nötig, sondern sogar positiv schädlich sei, und daß die Menschheit, wenn man das Christentum vollkommen ausrottete, sofort zu neuem, wirklichem Leben aufleben würde. Darin besteht seine furchtbare Kraft. Sie werden sehen: der Westen wird mit diesen Leuten nicht fertig werden, alles wird dort durch sie untergehen.“

„Und was wird dann sein?“