„Wundervoll? Sonderbarer Ausdruck für einen Bischof, und überhaupt sind Sie ein Sonderling ... wo haben Sie hier das Buch?“ fragte Stawrogin auffallend eilig und erregt und seine Augen suchten es auf dem Tisch, „ich will es Ihnen vorlesen ... haben Sie die russische Übersetzung?“

„Ich weiß, ich kenne die Stelle, ich kenne sie ganz genau,“ sagte Tichon.

„Kennen Sie sie auswendig? Sagen Sie sie!“ ...

Er senkte schnell die Augen, stützte beide Hände auf die Knie und wartete ungeduldig.

Tichon sagte Wort für Wort:

„Und dem Engel der Gemeine zu Laodicea schreibe: Das saget Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Kreatur Gottes. Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist, und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich, und habe gar satt, und bedarf nichts; und weißt nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß ...“

„Genug,“ unterbrach ihn Stawrogin, „das ist für die Mittelsorte, für die Gleichmütigen, nicht wahr? Wissen Sie, ich liebe Sie sehr.“

„Und ich Sie,“ sagte Tichon halblaut.

Stawrogin verstummte und versank wieder in seine Gedanken. Das kam wie ein Anfall über ihn, schon zum drittenmal. Und auch das „ich liebe Sie“ hatte er wie in einem Anfall gesagt, wenigstens ganz überraschend für sich selbst. Es verging mehr als eine Minute.

„Ärgere dich nicht,“ sagte Tichon plötzlich ganz leise, und berührte mit dem Finger vorsichtig, als ob er sich scheue, seinen Ellenbogen.