„Aber alle nicht deswegen. Alle haben sie sich mit Angst und nicht deswegen getötet. Nur wer sich tötet, um die Angst totzuschlagen, der wird sofort Gott sein.“
„Dazu wird er vielleicht keine Zeit mehr haben,“ bemerkte ich.
„Das ist einerlei,“ sagte er leise, mit ruhigem Stolz und fast ein wenig mit Verachtung. „Es tut mir leid, daß Sie sich darüber wohl lustig machen,“ fügte er nach einer halben Minute hinzu.
„Und mich wundert, wie Sie vorhin so gereizt sein konnten und jetzt so ruhig sind, obgleich Sie doch – glühend sprechen.“
„Vorhin? Vorhin war es komisch,“ antwortete er mit einem Lächeln. „Ich liebe nicht, zu schimpfen, und lache nie,“ fügte er traurig hinzu.
„Ja, Ihre Nächte beim Tee verbringen Sie nicht gerade lustig.“
Ich stand auf und nahm meine Mütze.
„Finden Sie?“ Er lächelte mit einem gewissen Erstaunen. „Warum? Nein, ich ... ich weiß nicht,“ verwirrte er sich plötzlich – „ich weiß nicht, wie es bei den andern ist. Ich fühle, daß ich nicht so wie jedermann kann. Jeder denkt, und dann denkt er gleich an was anderes. Ich kann nicht an anderes, ich denke mein ganzes Leben lang nur an Eines. Mich hat Gott mein Leben lang gequält,“ schloß er plötzlich mit erstaunlicher Mitteilsamkeit.
„Aber sagen Sie doch, warum sprechen Sie manchmal so sonderbar ... so sonderbar falsch? Sollten Sie wirklich in den fünf Jahren im Auslande das Sprechen verlernt haben?“
„Spreche ich denn falsch? Ich weiß nicht. Nein, nicht weil ich im Auslande war. Ich habe immer so gesprochen ... mir ist es einerlei.“