Die Alte erhob sich und rief ihr Hündchen: „Semirka, Semirka, komm du doch wenigstens mit mir.“ Aber das widerliche alte Tierchen Semirka gehorchte ihr nicht, sondern kroch zu Lisa unter das Sofa.
„Du willst also nicht? Nun, dann will ich dich auch nicht mehr. Leben Sie wohl, mein Lieber, Ihren Namen habe ich leider vergessen,“ wandte sie sich an mich.
„Anton Lawrentjewitsch ...“
„Schon gut, lassen Sie nur, bei mir geht’s doch bloß zum einen Ohr hinein, zum andern hinaus. Begleiten Sie mich nicht, Mawrikij Nicolajewitsch, ich habe nur Semirka gerufen. Noch kann ich, Gott sei Dank, allein gehen, und morgen werde ich spazieren fahren!“
Und sichtlich geärgert verließ sie langsam den Salon.
„Anton Lawrentjewitsch, Sie unterhalten sich inzwischen mit Mawrikij Nicolajewitsch, – nicht wahr? Ich kann Sie versichern, daß Sie beide nur gewinnen werden, wenn Sie nähere Bekanntschaft machen,“ sagte Lisa und lächelte Mawrikij Nicolajewitsch freundschaftlich zu. Er aber erstrahlte förmlich unter ihrem Blick.
So mußte ich mich denn, wohl oder übel, mit Mawrikij Nicolajewitsch unterhalten.
II.
Die Angelegenheit, die Lisaweta Nicolajewna mit Schatoff besprechen wollte, erwies sich zu meinem Erstaunen als tatsächlich rein literarisch. Ich weiß nicht, warum ich überzeugt gewesen war, daß sie ihn aus einem anderen Grunde zu sich gerufen hätte. Als wir nun sahen, daß sie aus ihrem Anliegen kein Geheimnis vor uns machte und auch nicht leise sprach, hörten wir unwillkürlich zu; und bald zog sie uns sogar mit ins Gespräch und bat auch uns um Rat. Sie hatte, wie sie uns auseinandersetzte, schon lange die Herausgabe eines ihrer Meinung nach sehr nützlichen Buches geplant. Da sie aber in solchen literarischen Sachen keine Erfahrung besaß, so brauchte sie einen Mitarbeiter. Der Ernst, mit dem sie Schatoff ihren Plan zu erklären versuchte, setzte mich wirklich in Erstaunen.
„Also auch eine von den Modernen,“ dachte ich. „Sie scheint nicht umsonst in der Schweiz gewesen zu sein.“