Wassin sah mich fragend an.

„Und dazu noch was für ein sonderbarer Humor,“ fuhr ich fort, „das ist ja ein Gymnasiastenausdruck, wie er unter Schulkameraden üblich ist ... Wie kann man sich nur in einem solchen Augenblick in solch einem Schreiben an seine unglückliche Mutter so ausdrücken, – und sie hat ihre Mutter doch augenscheinlich geliebt – ‚daß ich mein Lebensdebüt abgebrochen habe‘!“

„Ja, warum kann man denn nicht so schreiben?“ fragte Wassin, der noch immer nicht verstand.

„Humor ist hierin so gut wie überhaupt nicht enthalten,“ bemerkte schließlich Werssiloff. „Dieser Ausdruck ist hier natürlich nicht angebracht, paßt gar nicht zu dem Ton, und könnte allerdings einem Gymnasiastenjargon entnommen sein oder einem burschikosen Kameradschaftston, wie du sagst, oder vielleicht einem Feuilleton; jedenfalls aber hat die Verstorbene ihn hier auf diesem schrecklichen Zettel ganz naiv und ernsthaft gebraucht.“

„Das ist nicht möglich, sie hat das Gymnasium beendet und das Schlußexamen mit der Silbernen Medaille bestanden.“

„Die Silberne Medaille spielt in diesem Fall gar keine Rolle. Heutigentags beenden viele so das Gymnasium.“

„Das geht wieder auf die heutige Jugend,“ sagte Wassin lächelnd.

„Keineswegs,“ widersprach ihm Werssiloff, der sich erhob und seinen Hut nahm, „wenn die jetzige junge Generation nicht so literarisch ist, so hat sie dafür zweifellos ... andere Vorzüge,“ fügte er mit ungewöhnlichem Ernst hinzu. „Außerdem sind ‚viele‘ nicht ‚alle‘, und Ihnen zum Beispiel habe ich geringe literarische Bildung doch wahrlich nicht vorgeworfen, Sie aber sind ja gleichfalls ein junger Mensch.“

„Aber Wassin hat ja auch nichts Schlechtes im ‚Lebensdebüt‘ gefunden!“ konnte ich mich nicht enthalten, zu bemerken.

Werssiloff reichte Wassin schweigend die Hand; der griff nach seiner Mütze, um mit ihm zusammen fortzugehen, und rief mir noch zu: „Auf Wiedersehen!“ Werssiloff ging aus dem Zimmer, ohne mich zu beachten. Ich hatte auch keine Zeit zu verlieren: ich mußte mir unbedingt ein Zimmer suchen, – jetzt war das sogar nötiger als je! Mama war nicht mehr bei der Wirtin, die war fortgegangen und hatte die unglückliche Nachbarin mitgenommen. Ich fühlte mich seltsam munter, als ich auf die Straße trat ... Eine gewisse ganz neue und große Empfindung erwachte in meiner Seele. Und dazu kam nun noch, daß mir alles, wie vorherbestimmt, sofort gelang: ich fand ungemein schnell das Richtige, ein Zimmer, wie es mir gerade zusagte; doch davon später, zunächst will ich das Wichtige zu Ende erzählen.