Und es war, als zitterten Tränen in ihrer Stimme. Da schämte ich mich auf einmal: ich nahm ihre Hand und küßte sie von Herzen.

„Sie sind sehr gut,“ bemerkte Anna Andrejewna weich, als sie sah, daß ich Lisa die Hand küßte.

„Am meisten freut es mich, Lisa, daß ich dich heute fröhlich angetroffen habe,“ sagte ich. „Werden Sie es mir glauben, Anna Andrejewna: in den letzten Tagen ist sie mir immer mit einem so sonderbaren Blick begegnet, und in dem Blick schien immer so eine Frage zu liegen, wie ungefähr: ‚Hast du nicht irgend etwas erfahren? Ist alles noch gut abgegangen?‘ Wirklich, es war so etwas mit ihr.“

Anna Andrejewna hob langsam den Blick und sah sie scharf an, Lisa senkte den Kopf. Ich sah übrigens sehr gut, daß sie viel besser und näher miteinander bekannt waren, als ich bei meinem Eintritt vorhin vermutet hatte; dieser Gedanke war mir angenehm.

„Sie sagten soeben, ich sei gut; Sie glauben nicht, wie sehr ich mich bei Ihnen zum Besseren verändere, und wie angenehm es mir ist, bei Ihnen zu sein, Anna Andrejewna,“ sagte ich mit aufrichtigem Gefühl.

„Es freut mich sehr, daß Sie gerade jetzt so sprechen,“ entgegnete sie mir bedeutungsvoll. Ich muß bemerken, daß sie mit mir niemals von meinem Verschwenderleben und von dem Pfuhl, in den ich geraten war, gesprochen hatte, obgleich sie, wie ich wußte, nicht nur über alles schon unterrichtet war, sondern sogar noch selbst bei anderen sich unter der Hand nach allem erkundigt hatte. So war denn diese Entgegnung jetzt eine erste Andeutung ihrerseits, und – mein Herz wandte sich ihr noch mehr zu.

„Was macht unser Kranker?“ fragte ich.

„Oh, er fühlt sich viel besser: er geht schon herum, und gestern und heute ist er spazieren gefahren. Sind Sie denn heute noch nicht bei ihm gewesen? Er erwartet Sie sehr.“

„Ja, ich fühle mich schuldig, aber Sie ersetzen mich ja vollständig bei ihm; er ist mir untreu geworden und hat mich gegen Sie eingetauscht.“

Sie machte ein sehr ernstes Gesicht, – mein Scherz war auch wirklich recht trivial.