„Nein, erlauben Sie mal,“ fuhr ich fort, ihnen auf den Leib zu rücken, „was heißt das: ‚das Recht zum Richten sich durch Leid verdienen‘? Wer ehrlich ist, der kann auch Richter sein – das ist meine Meinung.“

„In dem Fall wirst du wohl nicht viele Richter zusammenbringen.“

„Einen kenne ich schon.“

„Wer ist denn das?“

„Er sitzt hier und spricht mit mir.“

Werssiloff lächelte sonderbar, beugte sich zu meinem Ohr, und, indem er mich an der Schulter faßte, flüsterte er mir zu: „Der belügt dich in allem.“

Bis heute verstehe ich noch nicht, was er damals im Sinn hatte, doch offenbar war er in dem Augenblick innerlich sehr erregt (infolge einer besonderen Nachricht, wie ich mir später überlegte). Aber dieses Wort: „Der belügt dich in allem“ war so unerwartet und so ernst gesagt und mit einem so sonderbaren, gar nicht scherzhaften Ausdruck, daß ich unwillkürlich nervös zusammenzuckte, beinahe erschrak und ihn entsetzt ansah; aber schon besann sich Werssiloff und lachte auf.

„Ach nun, Gott sei Dank!“ sagte Mama, die es erschreckt hatte, daß er mir etwas ins Ohr gesagt, „ich, ich dachte schon, weiß Gott ... Du, Arkascha, sei uns nicht böse; kluge Leute wirst du überall finden, aber wer würde dich wohl liebhaben, wenn wir nicht da wären?“

„Das ist eben das Unsittliche an der verwandtschaftlichen Liebe, Mama, daß sie unverdiente Liebe ist. Liebe muß man verdienen.“

„Ach, bis du sie dir erst verdienst, das wird lange dauern, hier aber wirst du schon so und umsonst geliebt.“