Da mußten alle lachen.

„Nun, Mama, Sie hatten vielleicht gar nicht die Absicht, zu schießen, aber den Vogel haben Sie doch getroffen!“ rief ich, gleichfalls lachend.

„Und du hast dir wohl eingebildet, daß du Liebe schon wirklich irgendwie verdient hättest?“ fiel Tatjana Pawlowna wieder über mich her. „Sie lieben dich hier nicht nur ohne dein Verdienst, sie lieben dich sogar trotz ihres Ekels vor dir!“

„Ach nein, so ist es doch nicht!“ rief ich lustig. „Wissen Sie vielleicht, wer mir heute gesagt hat, daß er mich liebt?“

„Gesagt, indem man sich über dich lustig machte!“ fiel mir Tatjana Pawlowna sofort erbost und geradezu verblüffend schlagfertig ins Wort, ganz, als hätte sie gerade auf diese Bemerkung von mir nur gewartet. „Jeder anständige Mensch, und besonders jede Frau, muß ja allein schon vor deinem seelischen Schmutz Ekel empfinden. Du hast einen Scheitel auf dem Kopf und die feinste Wäsche an, und deinen Anzug hat ein französischer Schneider gearbeitet, aber dabei ist das alles doch nur Schmutz! Wer ist es, der deine Kleider bezahlt, dich ernährt, dir Geld gibt, um Roulette zu spielen? Besinne dich, von wem du das Geld anzunehmen dich nicht schämst!“

Mama wurde vor Scham so rot, wie ich sie noch nie erröten gesehen hatte. In mir krampfte sich alles zusammen.

„Wenn ich verschwende, so verschwende ich mein eigenes Geld und bin keinem Rechenschaft schuldig,“ versuchte ich das Gespräch kurz abzubrechen, wurde aber doch feuerrot.

„Dein eigenes? Seit wann dein eigenes?“

„Wenn nicht meines, so ist es doch Andrei Petrowitschs Geld. Er wird es mir nicht abschlagen ... Ich habe es vom Fürsten genommen, à conto[42] des Geldes, das er Andrei Petrowitsch schuldet ...“

„Mein Freund,“ sagte plötzlich Werssiloff in sehr bestimmtem Ton, „von seinem Gelde gehört mir keine Kopeke.“