Siebentes Kapitel.

I.

Ich erwachte am nächsten Morgen gegen acht Uhr, schloß schnell meine Tür zu, setzte mich ans Fenster und grübelte vor mich hin. So saß ich fast ganze zwei Stunden. Die Magd hatte inzwischen schon zweimal an meine Tür geklopft, doch ich hatte sie fortgeschickt. Schließlich, die Uhr ging schon auf elf, wurde zum drittenmal an meine Tür geklopft. Ich wollte schon wütend hinausrufen, man solle mich nicht stören, aber diesmal war es Lisa. Mit ihr trat auch die Magd herein, die mir meinen Kaffee brachte und dann den Ofen anzuheizen begann. Sie fortzuschicken war nicht möglich: die ganze Zeit, während diese saumselige Fjokla das Holz in den Ofen legte und schließlich das Feuer anblies, ging ich mit großen Schritten in meinem kleinen Zimmer auf und ab. Ich begann absichtlich kein Gespräch und gab mir Mühe, Lisa nicht anzusehen. Die Magd verrichtete ihre Arbeit mit einer unbeschreiblichen Langsamkeit, und zwar absichtlich, wie das alle Mägde tun, wenn sie bemerken, daß die Herrschaft etwas besprechen will, was die Dienstboten nicht hören sollen. Lisa hatte sich auf den Stuhl am Fenster hingesetzt und schien mich zu beobachten.

„Dein Kaffee wird kalt,“ sagte sie auf einmal.

Ich sah sie an: nicht die geringste Verlegenheit war in ihrem vollkommen ruhigen Gesicht, auf den Lippen sogar ein Lächeln.

„Nein, diese Weiber!“ entfuhr es mir unwillkürlich, und ich zuckte die Achseln.

Endlich war die Magd mit dem Anheizen des Ofens fertig und wollte nun auch noch das Zimmer aufräumen, aber jetzt schickte ich sie doch wütend hinaus und konnte endlich die Tür hinter ihr zuschließen.

„Warum hast du die Tür wieder verschlossen?“ fragte Lisa.

Ich trat auf sie zu und blieb vor ihr stehen.

„Lisa, hätte ich das jemals denken können, daß du mich so betrügen würdest!“ rief ich plötzlich aus, ohne überhaupt daran gedacht zu haben, daß ich so anfangen würde; und diesmal kamen mir nicht Tränen in die Augen, sondern ein so böses Gefühl stach mir auf einmal ins Herz, daß ich selbst ganz verwundert darüber war.