Wir traten aus dem Laden; Lambert hatte leicht den Arm um mich gelegt und stützte mich. Auf einmal sah ich ihn an und bemerkte denselben entschlossenen furchtbar aufmerksamen und im höchsten Grade nüchternen Ausdruck in seinem Blick – wie damals am Morgen, als er mich halb erstarrt gefunden und mich ebenso umschlungen haltend zur Droschke geführt und dabei mit genau derselben Aufmerksamkeit auf mein zusammenhangloses Gestammel gelauscht hatte. Bekanntlich kann bei Berauschten, die noch nicht vollkommen betrunken und abgefallen sind, plötzlich und auf Augenblicke gänzliche Ernüchterung eintreten.
„Um keinen Preis gehe ich jetzt zu dir!“ sagte ich entschlossen und wieder ganz bei Sinnen. Ich sah ihn höhnisch an und suchte ihn mit der Hand von mir wegzuschieben.
„Na, komm schon, Alphonsina wird uns Tee machen, komm!“
Er war natürlich überzeugt, daß ich mich von ihm nicht mehr losreißen könne, und hielt mich immer noch als sein sicheres Opfer mit Wonne umarmt: er hatte mich doch auch so nötig, gerade an diesem Abend, und dazu noch in einem solchen Zustande! Später wird es schon klar werden, weswegen!
„Ich will nicht!“ wiederholte ich. „He, hierher!“ rief ich einen vorüberfahrenden Droschkenkutscher an, der sofort anhielt, und ich sprang in den Schlitten.
„Was! wo willst du hin? Was fällt dir ein!“ brüllte Lambert erschrocken und klammerte sich an meinen Pelz.
„Wage es nicht, mir nachzufahren!“ schrie ich. „Daß du dich nicht unterstehst!“
In diesem Augenblick zog das Pferd an, und mein Pelz wurde Lambert aus der Hand gerissen.
„Na wart’, du wirst schon zu mir kommen!“ schrie er mir wütend nach.
„Wenn’s mir paßt – das hängt von meinem Willen ab!“ rief ich zurück, indem ich mich im Schlitten nach ihm umwandte.