„Um nichts in der Welt gehe ich zu Anna Andrejewna!“ wiederholte ich boshaft und mit wahrer Genugtuung; „ich gehe schon deshalb nicht hin, weil Sie mich soeben einen Tölpel nannten, und dabei war ich noch nie so scharfsinnig wie heute. Alle Ihre Verschwörungen durchschaue ich jetzt, aber zu Anna Andrejewna gehe ich nun erst recht nicht!“

„Das habe ich ja gewußt!“ rief sie plötzlich aus, doch nicht als Erwiderung auf meine Worte, sondern wie in einer Fortsetzung ihrer eigenen Gedanken. „Jetzt wird man sie also völlig umstellen und sie in der Schlinge erdrosseln!“

„Wen? Anna Andrejewna?“

„Dummkopf!“

„Von wem sprechen Sie denn sonst? Doch nicht etwa von Katerina Nikolajewna? Was für eine Schlinge?“ Ich erschrak furchtbar. Eine dunkle, unheimliche Ahnung stieg in mir auf. Tatjana Pawlowna sah mich durchdringend an.

„Und du, was stehst du denn da?“ fragte sie plötzlich. „Oder bist auch du etwa mit im Spiel? Ich hab’ ja auch von dir so etwas munkeln hören – nimm dich in acht!“

„Hören Sie mich an, Tatjana Pawlowna: ich werde Ihnen ein großes Geheimnis anvertrauen, nicht jetzt, jetzt habe ich keine Zeit dazu, aber morgen und unter vier Augen, aber dafür müssen Sie mir jetzt sofort die ganze Wahrheit sagen: was meinten Sie mit dieser Mörderschlinge? ... Schnell, Tatjana Pawlowna, ich zittere am ganzen Körper! ...“

„Was geht mich dein Zittern an. Aber was für ein Geheimnis willst du mir denn da mitteilen? Solltest du wirklich noch irgend etwas wissen?“ sie durchbohrte mich förmlich mit ihrem Blick. „Du hast ihr doch damals selbst geschworen, daß der Brief von Krafft verbrannt worden sei.“

„Tatjana Pawlowna, ich sage Ihnen noch einmal, quälen Sie mich nicht!“ fuhr ich meinerseits fort, ohne auf ihre Frage zu antworten. Ich war außer mir. „Begreifen Sie doch, Tatjana Pawlowna: dadurch, daß Sie mir jetzt etwas verheimlichen, kann noch ein viel schlimmeres Unglück geschehen ... er hat mir doch gestern selbst gesagt, daß er sich jetzt für auferstanden betrachte!“

„Ach, scher dich zum Teufel, Narr! Bist ja selber wie ein Spatz verliebt – Vater und Sohn in ein und dasselbe Objekt! Pfui, ekelhaftes Pack!“