„Ich setze mich nicht, ich setze mich nicht. Hören Sie, Dolgoruki, ich weiß nichts Näheres, aber ich weiß, daß Lambert irgend etwas gegen Sie plant, etwas, was bald und ganz bestimmt ausgeführt werden wird – das ist sicher. Also nehmen Sie sich in acht! Der Pockennarbige hat unvorsichtigerweise mir gegenüber so was ausgeplaudert – Sie erinnern sich doch noch des Pockennarbigen? Er hat mir freilich nicht gesagt, um was es sich handelt, daher kann ich Ihnen auch nichts Bestimmteres sagen. Ich bin nur gekommen, um Sie zu warnen. Leben Sie wohl!“

„Aber so setzen Sie sich doch, lieber Trischatoff! Ich habe zwar nicht viel Zeit, aber ich freue mich so, daß Sie gekommen sind ...“ rief ich.

„Nein, nein, ich setze mich nicht; aber daß Sie sich über mein Kommen freuen, das werde ich nicht vergessen. Ach, Dolgoruki, wozu sich vor anderen maskieren: ich habe mich doch bewußt und freiwillig zu jeder Schändlichkeit bereit erklärt, und sogar zu einer solchen Gemeinheit, daß ich mich schäme, sie vor Ihnen auch nur auszusprechen. Wir sind jetzt zu dem Pockennarbigen übergegangen ... Leben Sie wohl! Ich bin es nicht wert, bei Ihnen zu sitzen.“

„Aber was reden Sie da, Trischatoff, lieber ...“

„Nein, sehen Sie, Dolgoruki: ich bin vor allen Menschen dreist und frech und werde jetzt ein Schlemmerleben anfangen. Bald werde ich einen noch besseren Pelz tragen als früher und nur mit Trabern fahren. Aber bei alledem werde ich im geheimen wissen, daß ich mich bei Ihnen doch nicht hingesetzt habe, weil ich mich noch selbst zu verdammen vermag und weiß, daß ich für Sie zu gemein bin! Diese Erinnerung wird mir noch angenehm sein, wenn ich ehrlos schlemme. Nun leben Sie wohl, leben Sie wohl! Auch die Hand gebe ich Ihnen nicht: nimmt doch selbst eine Alphonsinka nicht mehr meine Hand! Und bitte, kommen Sie mir nicht nach und suchen Sie mich nicht auf – vergessen Sie nicht unsere Abmachung.“

Damit drehte sich der sonderbare Junge um und ging. Ich hatte im Augenblick wirklich keine Zeit, aber ich nahm mir vor, ihn unbedingt aufzusuchen, sobald ich nur alle die Konflikte beigelegt hätte, in denen ich mich befand ...

Von diesem Vormittag will ich sonst nichts weiter erzählen, obschon sich noch vieles erzählen ließe. Werssiloff war nicht zur Beerdigung erschienen, und ich glaube, man konnte schon aus den Mienen der anderen schließen, daß er auch gar nicht erwartet wurde. Mama betete andächtig und gab sich ganz dem Gebet hin. Am Grabe waren von ihnen nur Tatjana Pawlowna und Lisa. Aber ich wollte ja davon nichts weiter berichten. Nach der Beerdigung fuhren wir alle nach Haus und setzten uns zu Tisch, und wieder schloß ich aus ihren Mienen, daß man ihn auch zu Tisch nicht erwartete. Als wir nach dem Essen aufstanden, ging ich auf Mama zu, umarmte sie herzlich und gratulierte ihr zum Geburtstage; Lisa tat dann dasselbe.

„Höre, Arkadi,“ flüsterte mir Lisa heimlich zu, „sie erwarten ihn.“

„Das merke ich, Lisa, das sieht man ihnen an.“

„Er wird auch bestimmt kommen.“