„Noch besser!“ (Immer dieselbe Stimme.)
Die anderen schwiegen nach wie vor und musterten mich mehr oder weniger unverhohlen; doch schon glaubte ich, irgendwoher ein Kichern zu vernehmen, allerdings leise noch, aber sie grinsten mir alle ganz offen ins Gesicht. Nur Wassin und Krafft taten es nicht. Jener mit dem schwarzen Backenbart lächelte gleichfalls; dabei sah er mich die ganze Zeit unausgesetzt an und hörte aufmerksam zu.
„Meine Herren,“ fuhr ich fort, und ich zitterte schon am ganzen Körper, „glauben Sie nicht, daß ich Ihnen meine Idee preisgeben werde, das tue ich um nichts in der Welt. Aber ich werde Sie dafür von Ihrem Standpunkte aus fragen – glauben Sie nicht, ich fragte von meinem eigenen aus, denn ich liebe die Menschheit vielleicht tausendmal mehr, als Sie alle zusammengenommen! So sagen Sie mir doch – und Sie müssen mir jetzt Rede stehen, Sie sind verpflichtet, mir zu antworten, weil Sie lachen, – sagen Sie: Wodurch wollen Sie mich gewinnen, wodurch mich verlocken, daß ich mich Ihnen anschließe? Sagen Sie doch, womit Sie mir beweisen wollen, daß es bei Ihnen besser sein werde? Was werden Sie denn in Ihrer Kaserne mit dem Protest meiner Persönlichkeit anfangen? Ich habe, meine Herren, schon lange den Wunsch gehabt, mit Ihnen einmal zusammenzukommen. Sie werden dort in Ihrer Zukunft Kasernenbauten, gemeinsame Wohnungen, stricte nécessaire,[21] Atheismus und gemeinsame Frauen ohne Kinder haben, – das ist doch Ihr Finale, ich weiß es ja schon. Und für ein solches Leben, für dies bißchen Durchschnittsvorteil, den mir Ihre Vernünftigkeit sicherstellt, für einen satten Magen und ein warmes Zimmer – dafür fordern Sie von mir als Preis meine ganze Persönlichkeit! Erlauben Sie: nehmen wir an, ein anderer nimmt mir dort meine Frau fort: wollen Sie mir dann auch meine Persönlichkeit so weit nehmen, daß ich dem Gegner nicht den Schädel einschlagen darf? Sie werden mir jetzt darauf erwidern, ich würde dort schon ganz von selbst um so viel vernünftiger werden, daß ich unter diesen Umständen gar nicht mehr ein solches Verlangen verspüren könnte. Aber was wird denn die Frau zu einem so vernünftigen Manne sagen, wenn sie auch nur ein Atom von Selbstachtung hat? Das ist doch widernatürlich! Schämen sollten Sie sich!“
„Sie sind wohl, was Frauen betrifft – Spezialist?“ ertönte geradezu schadenfroh wieder die Stimme des Nichtswürdigen.
Einen Moment war ich im Begriff, mich auf ihn zu stürzen und meine Fäuste zu gebrauchen. Er war klein von Wuchs, rothaarig, mit Sommersprossen ... Übrigens zum Teufel mit seinem ganzen Äußeren!
„Beruhigen Sie sich, ich habe noch nie ein Weib gekannt,“ versetzte ich schneidend, indem ich mich zum erstenmal an ihn wandte.
„Ein kostbares Bekenntnis, nur hätte es im Hinblick auf die anwesenden Damen etwas rücksichtsvoller ausfallen können!“
Doch da gerieten plötzlich alle in Bewegung: man griff nach den Hüten und brach auf – natürlich nicht meinetwegen, sondern einfach, weil es für sie alle an der Zeit war. Aber das Beschämende, das in ihrem schweigenden Verhalten zu mir lag, empfand ich bis zur Pein. Ich sprang natürlich sofort auf, um mich gleichfalls zu verabschieden.
„Erlauben Sie einstweilen, daß ich mich nach Ihrem Namen erkundige; Sie haben mich die ganze Zeit angesehen,“ sagte da der Lehrer, indem er mit dem gemeinsten Lächeln auf mich zutrat.
„Dolgoruki.“