Sie war ein wenig bleich. Aber ihr Sarkasmus war nur ein Mittel, um ihre Ruhe zu bewahren. Oh, ich verzieh ihr damals viel, als ich so nach und nach das Ganze erfaßte. Eine Minute lang überlegte ich; sie schwieg und wartete.

„Wissen Sie,“ sagte ich plötzlich lachend, „Sie haben den Brief ja nur deshalb überbracht, weil er für Sie nicht die geringste Gefahr bedeutete, denn zu dieser Heirat wird es doch nie und nimmer kommen! Aber er? Und schließlich auch sie? Selbstverständlich wird sie ihn mit seinem Antrag abweisen, und dann ... was wird dann geschehen? Wo ist er jetzt, Anna Andrejewna?“ rief ich, „jetzt ist jede Minute wertvoll, jede Minute kann ein Unglück geschehen!“

„Er ist jetzt bei sich in seiner Wohnung, wie ich Ihnen schon sagte. In seinem gestrigen Brief an Katerina Nikolajewna, den ich überbrachte, bat er sie auf jeden Fall, also unabhängig von ihrer Antwort, um eine Zusammenkunft in seiner Wohnung heute um sieben Uhr abends. Sie hat zugesagt.“

„Sie in seiner Wohnung? Wie ist das möglich?“

„Warum denn nicht? Die Wohnung gehört ja Darja Onissimowna; da können sie sich doch sehr gut als ihre Gäste bei ihr treffen ...“

„Aber sie fürchtet sich vor ihm ... er kann sie umbringen!“

Anna Andrejewna lächelte nur.

„Katerina Nikolajewna hat trotz ihrer ganzen Furcht vor ihm, die auch ich an ihr bemerkt habe, doch immer eine gewisse Ehrfurcht und Bewunderung für die Vornehmheit seiner Grundsätze und für seinen idealen Verstand gehegt. Sie hat jetzt zugesagt, um ihm ihr Vertrauen zu beweisen, und um der Sache ein für allemal ein Ende zu machen. In seinem Brief aber hat er ihr feierlich sein Ehrenwort gegeben, daß sie nichts zu fürchten hätte ... Ich entsinne mich nicht mehr genau der Ausdrücke, aber jedenfalls hat sie ihm darauf mit ihrem Vertrauen geantwortet ... und da es doch das letztemal sein soll ... jedenfalls beruhte ihre Antwort auf den edelsten Gefühlen. Es war da beiderseits ein gewisser ritterlich heroischer Wettstreit, wenn Sie wollen.“

„Aber der Doppelgänger, sein Doppelgänger!“ rief ich, „er ist doch wahnsinnig geworden!“

„Als Katerina Nikolajewna gestern in diese Zusammenkunft einwilligte, hat sie mit der Möglichkeit eines solchen Zwischenfalles wahrscheinlich nicht gerechnet,“ meinte Anna Andrejewna.