„Und drittens mußt du, Lambert, sie von dir aus herbitten, angeblich im Auftrage eines Unbekannten, der gerade aus Moskau angekommen sei; ich hätte dann die Aufgabe, Werssiloff mitzubringen.“

„Ja, auch Werssiloff könnte noch dabei sein,“ bestätigte Lambert wieder.

„Nicht könnte, sondern er muß, und zwar unbedingt!“ rief ich. „Um seinetwillen soll doch das Ganze überhaupt gemacht werden!“ erklärte ich und trank Schluck auf Schluck aus meinem Glase. (Wir tranken alle drei, aber ich glaube, ich trank die ganze Flasche Champagner allein aus: sie aber taten nur so, als tränken sie gleichfalls.) „Werssiloff und ich werden im Nebenzimmer sitzen (Lambert, wir müssen uns noch ein Nebenzimmer verschaffen!), und wenn sie dann auf alles eingegangen ist – auf den Kaufpreis in Geld und auch auf den anderen Kaufpreis, denn die Weiber sind doch alle ehrlos – dann erscheine ich mit Werssiloff, und wir überführen sie ihrer Schändlichkeit. Und dann wird Werssiloff, wenn er selbst gesehen hat, wie gemein sie ist, mit einem Schlage von seinem Wahn geheilt sein und sie hinauswerfen! Und Bjoring muß auch noch dabei sein, damit auch er es sieht!“ fügte ich außer mir hinzu.

„Nein, Bjoring ist überflüssig,“ bemerkte Lambert.

„Nein, der muß auch unbedingt, unbedingt dabei sein!“ ereiferte ich mich wieder.

„Du begreifst ja nichts, Lambert, weil du dumm bist! Versteh doch, es soll ja gerade zu einem Skandal in diesen ihren höheren Kreisen kommen – damit rächen wir uns an diesen Kreisen und an ihr, sie soll nur ihre Strafe empfangen! Lambert, sie wird dir einen Wechsel geben ... Ich brauche das Geld nicht – ich spucke aufs Geld, du aber kannst dich bücken und es aufheben, wenn du magst, und mit meinem Speichel in die Tasche stecken, ich aber, ich – vernichte sie dafür!“

„Ja, ja,“ hetzte Lambert, „das mußt du tun ...“ Er wechselte wieder einen Blick mit Alphonsinka.

„Weißt du, Lambert, sie verehrt Werssiloff ungeheuer: ich habe mich soeben davon überzeugt,“ lallte ich schon mit schwerer Zunge.

„Das ist gut, daß du sie belauscht hast! Ich hätte niemals gedacht, daß du ein so guter Spion sein könntest und überhaupt so gescheit bist!“ Er wollte mir damit eine Schmeichelei sagen.

„Du lügst, Franzos, ich bin kein Spion, aber gescheit bin ich allerdings! Und weißt du, Lambert, sie liebt ihn ja doch!“ fuhr ich fort, nur von dem Verlangen getrieben, mich auszusprechen: „Aber heiraten wird sie ihn nicht, denn Bjoring ist Gardeoffizier, und Werssiloff ist – nur ein großmütiger Mensch und ein Menschheitsfreund, und so einer ist nach den Anschauungen ihres Kreises nur eine lächerliche Figur und nichts weiter! Oh, sie begreift seine Leidenschaft und genießt sie, sie kokettiert mit ihm und lockt ihn an, aber sie heiratet ihn nicht! Sie ist ein Weib, eine Schlange! Jedes Weib ist Schlange und jede Schlange Weib! Ihn aber muß man davon heilen; man muß ihm die Binde von den Augen reißen: er soll erkennen, wie sie ist, dann wird er gesund werden. Ich bringe ihn zu dir, Lambert!“