„Das hat er Ihnen schon gesagt? Ich habe es mir ja gedacht! In dem Fall bin ich verloren; er hat auch bereits geweint und nach Hause verlangt.“

„So sagen Sie mir doch, worin besteht denn Ihr Plan?“ fragte ich sie rücksichtslos. Sie wurde rot – wohl aus gekränktem Hochmut – nahm sich aber zusammen und sagte:

„Wenn wir diesen Brief seiner Tochter in der Hand haben, sind wir vor der Welt gerechtfertigt. Ich werde dann sofort zum Fürsten W. schicken und zu Boris Michailowitsch Pelischtschoff, seinen Jugendfreunden; sie sind beide sehr angesehene, einflußreiche Persönlichkeiten, deren Wort in der Gesellschaft sehr viel gilt, und ich weiß, daß sie schon vor zwei Jahren manche Handlungen seiner mitleidslosen, selbstsüchtigen Tochter verurteilt haben. Sie würden natürlich, auf meine Bitte hin, den Vater mit der Tochter wieder versöhnen, weil ich selbst darauf bestehen werde; aber die Lage der Verhältnisse würde dann eine vollkommen andere sein. Außerdem würden dann, wie ich hoffe, auch meine Verwandten, die Fanariotoffs, sich entschließen, meine Rechte zu unterstützen. Aber für mich kommt es an erster Stelle auf sein Glück an; er soll endlich begreifen und wissen, wer ihm wahrhaft ergeben ist. Zweifellos rechne ich dabei am meisten auf Ihren Einfluß, Arkadi Makarowitsch: Sie lieben ihn doch so ... Und wer liebt ihn denn, außer Ihnen und mir? Er hat in den letzten Tagen nur von Ihnen gesprochen: er hat sich nach Ihnen geradezu gesehnt, nach seinem ‚jungen Freund‘, wie er Sie nennt ... Und es versteht sich von selbst, daß meine Dankbarkeit in meinem ganzen Leben Ihnen gegenüber keine Grenzen kennen wird ...“

Damit spielte sie wohl gar auf eine Belohnung an – in Geld womöglich.

Ich fiel ihr schroff ins Wort:

„Was Sie mir da auch sagen mögen – ich kann nicht!“ erwiderte ich mit unerschütterlicher Entschlossenheit. „Ich kann Ihnen nur mit derselben Aufrichtigkeit antworten und Ihnen meinen letzten Entschluß kundtun: ich werde in der allernächsten Zeit diesen unseligen Brief Katerina Nikolajewna selbst einhändigen, aber nur unter der Bedingung, daß sie mir ihr Wort gibt, aus dieser ganzen Geschichte keinen Skandal zu machen und Ihrem Glück nicht im Wege zu stehen. Das ist alles, was ich tun kann.“

„Das ist ausgeschlossen!“ sagte sie und wurde über und über rot.

Der bloße Gedanke, daß Katerina Nikolajewna sie schonen könnte, empörte sie schon.

„Ich werde meinen Entschluß nicht ändern, Anna Andrejewna.“

„Vielleicht ändern Sie ihn doch.“