„Arkadi Makarowitsch, erlauben Sie, daß ich Sie bekannt mache ...,“ sagte Anna Andrejewna mit lauter Stimme, so daß ich gezwungen war, stehen zu bleiben.
„Ich kenne Ihren Bruder nur zu gut,“ sagte ich, indem ich jedes Wort langsam aussprach und mit besonderer Betonung der Worte „nur zu gut“.
„Ach, es handelte sich damals um einen unverzeihlichen Irrtum! Und ich be–dau–ere ihn so sehr, lieber Andr... Andrei Makarowitsch,“ begann der junge Mensch, kam mit ganz außerordentlich liebenswürdigem Ausdruck auf mich zu und ergriff meine Hand, die ich ihm leider nicht mehr entziehen konnte – „an allem war nur mein Stepan schuld: er hatte Sie mir damals so dumm gemeldet, daß ich Sie für einen anderen hielt, – das war in Moskau,“ erklärte er seiner Schwester. „Nachher wollte ich Sie unbedingt aufsuchen und Ihnen das Mißverständnis erklären, aber da erkrankte ich. Bitte, fragen Sie doch meine Schwester, ob es wahr ist. Cher prince, nous devons être amis même par droit de naissance[122] ...“
Und der unverschämte junge Mann wagte es sogar, den Arm um meine Schultern zu legen, was denn doch der Gipfel dieser frechen Familiarität war. Ich trat zur Seite und zog es vor, da ich mich verwirrt fühlte, ohne ein Wort der Erwiderung hinauszugehen. In meinem Zimmer setzte ich mich erregt und in Gedanken auf mein Bett. Die Intrige würgte mich geradezu, aber es war mir trotzdem unmöglich, Anna Andrejewna nun einfach fallen zu lassen. Ich fühlte plötzlich, daß auch sie mir teuer war, und daß sie sich in einer schrecklichen Lage befand.
III.
Wie ich es nicht anders erwartet hatte, kam sie selbst in mein Zimmer und ließ den Fürsten in der Gesellschaft ihres Bruders, der ihm sofort die neuesten Klatschgeschichten aus der Gesellschaft erzählte und damit den neugierigen Alten von anderen Gedanken ablenkte. Ich erhob mich schweigend von meinem Bett und sah sie fragend an.
„Ich habe Ihnen bereits alles gesagt, Arkadi Makarowitsch,“ begann sie ohne weiteres, „unser Schicksal ist in Ihren Händen.“
„Aber auch ich habe Ihnen doch gesagt, daß es mir unmöglich ist ... Die heiligsten Gefühle verbieten mir, das zu tun, worauf Sie rechnen ...“
„Wirklich? Ist das Ihre ganze Antwort? Nun gut, mag ich zugrunde gehen, aber was soll aus ihm werden? Was glauben Sie denn: er wird doch noch heute abend den Verstand verlieren!“
„Nein, aber er würde den Verstand verlieren, wenn ich ihm den Brief seiner Tochter zeigte, in dem sie einen Juristen fragt, wie man ihren Vater entmündigen und für irrsinnig erklären könnte!“ rief ich heftig. „Das wäre es, was ihn um den Verstand bringen würde! Und außerdem würde er sich von diesem Brief niemals überzeugen lassen – das hat er mir bereits selbst gesagt!“ Die letzte Bemerkung, er selbst hätte mir das gesagt, stimmte zwar nicht ganz, aber diese Verdeutlichung schien mir geboten.