„Cher ami! Oh, wenn ich sie doch beide hier zusammen sehen könnte! Oh, cher enfant!“
„Beruhigen Sie sich, Fürst ...“
„Ja, ja, aber ... wir werden sie versöhnen, n’est-ce pas?[112] Ein so leerer und kleinlicher Streit zwischen zwei so wertvollen Frauen, n’est-ce pas? Du bist meine letzte Hoffnung ... Wir werden alles in Ordnung bringen ... Aber was ist das hier für eine sonderbare Wohnung,“ sagte er plötzlich und blickte ängstlich um sich, „und weißt du, dieser Wirt ... er hat so ein Gesicht ... Sag’ doch: ist er nicht gefährlich?“
„Der Wirt? O nein, inwiefern könnte er denn gefährlich sein?“
„C’est ça. Um so besser. Il semble qu’il est bête, ce gentilhomme. Cher enfant,[120] sag’ es um Gottes willen nicht Anna Andrejewna, daß ich mich hier vor allem fürchte! Ich habe nämlich hier alles sehr schön gefunden, vom ersten Schritt an, auch den Wirt habe ich gelobt ... Höre, du kennst doch die Geschichte von dem kürzlich ermordeten von Sohn – erinnerst du dich?“
„Was ist denn damit?“
„Rien, rien du tout ... Mais je suis libre ici, n’est-ce pas?[121] Was meinst du, hier kann mir doch nichts geschehen ... etwas von der Art?“
„Aber ich versichere Sie, mein Lieber ... wie können Sie so etwas nur denken!“
„Mon ami! Mon enfant!“ rief er plötzlich und rang die Hände, ohne seine Angst noch zu verbergen. „Wenn du wirklich im Besitz von irgendwelchen Dokumenten bist ... wenn du mir wirklich etwas zu sagen haben solltest, so sag’ es lieber nicht: sag’ mir um Gottes willen nichts davon ... schweig’, so lange du noch irgend kannst ...“
Er wollte sich erheben und mich umarmen, Tränen rollten über sein Gesicht; ich kann gar nicht beschreiben, wie mein Herz sich zusammenkrampfte: der arme Alte war wie ein schwaches, bedauernswertes, erschrockenes Kind, das Zigeuner aus dem Elternhause gestohlen und zu fremden Leuten entführt hatten. Doch zu unserer Umarmung kam es nicht: die Tür öffnete sich, und Anna Andrejewna erschien, aber nicht mit dem Wirt, sondern mit ihrem Bruder, dem Kammerjunker. Diese Überraschung betäubte mich förmlich; ich erhob mich und ging zur Tür.