„Gib ihn her, hol ihn heraus!“ bestürmte mich Tatjana Pawlowna aufgeregt.
„Um keinen Preis! Ich sage Ihnen noch einmal: ich werde ihn in Ihrem Beisein vor Katerina Nikolajewna hinlegen und davongehen, ohne auch nur ein einziges Wort von ihr zu erwarten; aber sie soll wissen und mit eigenen Augen sehen, daß ich ihn freiwillig übergebe, ohne Zwang, und ohne Dank zu erwarten.“
„Also wieder eine Rolle spielen? Bist immer noch verschossen, junger Hund?“
„Sie können mir soviel Bosheiten an den Kopf werfen, wie Sie wollen: ich mag sie ja verdient haben und nehme sie Ihnen nicht übel. Oh, mag ich ihr doch als ein kleiner Junge erscheinen, der gegen sie eine Verschwörung angezettelt hat, – aber sie soll wissen, daß ich mich selbst besiegt und ihr Glück über alles in der Welt gestellt habe! Macht nichts, Tatjana Pawlowna, macht nichts! Ich rufe mir zu: Mut und Hoffnung! Und wenn das mein erster Schritt auf dem Schauplatz des Lebens gewesen ist, so habe ich ihn doch gut und vornehm abgeschlossen! Und was tut es, daß ich sie liebe,“ fuhr ich begeistert und mit glänzenden Augen fort, „ich schäme mich dessen nicht: Mama ist ein Engel des Himmels, sie aber ist – die Königin der Erde! Werssiloff wird zu Mama zurückkehren. Und so brauche ich mich vor ihr meiner Liebe nicht zu schämen; ich habe doch gehört, was sie und Werssiloff dort gesprochen haben, ich stand hinter der Portiere ... Oh, wir sind alle drei – ‚Menschen ein und desselben Wahnsinns!‘ Wissen Sie, wer das gesagt hat: ‚Menschen ein und desselben Wahnsinns‘? Das ist ein Ausspruch von ihm, von Andrei Petrowitsch! Und wissen Sie auch, daß wir vielleicht mehr sind, denn drei? Ja, ich wette, daß Sie die vierte sind! Wollen Sie, daß ich’s sage? – Ich wette, daß Sie selbst ihr ganzes Leben lang in Andrei Petrowitsch verliebt gewesen sind, und es vielleicht heute noch sind ...“
Wie gesagt, ich war begeistert und befand mich in einem Glücksrausch, aber ich kam nicht dazu, meinen Satz zu Ende zu sprechen: ihre Hand fuhr plötzlich mit verblüffender Geschwindigkeit in meine Haare und riß meinen Kopf zweimal aus aller Kraft nach vorn herunter ... dann ließ sie mich ebenso plötzlich fahren, ging in eine Ecke, kehrte das Gesicht zur Wand und verhüllte es mit dem Taschentuch.
„Junger Hund! Wage es nicht, mir das noch einmal zu sagen!“ sagte sie schluchzend.
Das kam alles so unerwartet, daß ich einfach starr war. Ich stand da und sah sie an und wußte nicht, was ich tun sollte.
„Pfui, du Esel! Komm her und gib mir alten Närrin einen Kuß!“ sagte sie plötzlich weinend und lachend. „Aber daß du mir nie wieder, nie wieder davon zu sprechen wagst ... Und dich liebe ich und habe dich mein ganzes Leben lang geliebt ... Esel.“
Ich küßte sie. Ich möchte hierzu in Klammern bemerken, daß ich seit der Zeit Tatjana Pawlownas bester Freund bin.
„Ach ja! Was fällt mir ein!“ rief sie plötzlich und schlug sich vor die Stirn. „Was sagtest du da: der alte Fürst sei bei dir in der Wohnung? Ja, ist das auch wirklich wahr?“