Sie sind es, der den armen Kranken ausnutzen will und ihn bis zum Irrsinn gebracht hat ... und jetzt schreien Sie mich an, weil ich eine schutzlose Frau bin und niemand hier ist, der mich verteidigen könnte ...“

„Ach ja, Sie sind ja seine Braut, seine Braut!“ Bjoring lachte boshaft und schallend auf.

„Baron, Baron ... chère enfant, je vous aime!“[128] schluchzte der Fürst und streckte die Arme nach Anna Andrejewna aus.

„Kommen Sie, Fürst, kommen Sie, hier war eine ganze Verschwörung gegen Sie angezettelt, vielleicht sogar gegen Ihr Leben!“ rief Bjoring.

„Oui, oui, je comprends, j’ai compris au commencement[129] ...“

„Fürst,“ unterbrach ihn Anna Andrejewna mit erhobener Stimme, „Sie beleidigen mich und lassen es zu, daß man mich beleidigt!“

„Weg da!“ schrie Bjoring sie plötzlich an.

Das war zuviel für mich!

„Schurke!“ brüllte ich ihn an, außer mir. „Anna Andrejewna, ich beschütze Sie!“

Was nun folgte, will und kann ich nicht ausführlich schildern. Es kam zu einem schrecklichen und widerlichen Auftritt; ich war plötzlich wie von Sinnen. Ich glaube, ich stürzte auf ihn los und schlug ihn, oder wenigstens versetzte ich ihm einen tüchtigen Stoß. Er schlug mich gleichfalls aus aller Kraft auf den Kopf, so daß ich hinfiel. Als ich zu mir kam, lief ich ihnen nach, die Treppe hinunter; ich weiß noch, daß mir das Blut aus der Nase floß. Vor der Haustür wartete eine Equipage auf sie, und während sie dem Fürsten beim Einsteigen halfen, stürzte ich mich, obgleich der Bediente mich zurückstieß, wieder auf Bjoring. Da tauchte plötzlich die Polizei auf. Bjoring packte mich am Kragen und befahl dem Schutzmann herrisch, mich sofort auf die Wache zu bringen. Ich schrie, er müsse mitgenommen werden, das Protokoll wäre sonst unvollständig, und man dürfe mich nicht so ohne weiteres und nahezu aus meiner Wohnung auf die Wache führen. Da aber das Ganze sich doch auf der Straße zutrug und nicht in meiner Wohnung, und da ich schrie, schimpfte und mich widersetzte – hinzu kam noch, daß Bjoring in seiner Uniform war – so bedachte sich der Schutzmann nicht lange und machte Anstalt, mich abzuführen. Darüber geriet ich völlig außer mir: ich wehrte mich aus allen Kräften, schlug wie rasend um mich, und schlug auch den Schutzmann. Auf einmal waren zwei Schutzleute da, und ich wurde nun tatsächlich auf die Wache geführt. In meiner Erinnerung habe ich nur noch eine blasse Vorstellung davon, wie ich in ein dunstiges, vollgerauchtes Zimmer gebracht wurde, in dem sich eine Menge der verschiedensten Menschen befanden, die teils saßen, teils standen und warteten, teils schrieben; ich schrie auch hier wieder, erhob Einspruch und verlangte das Protokoll. Aber jetzt handelte es sich schon nicht mehr um ein Protokoll allein, sondern bereits um einen viel verzwicktern Fall, da ich Unfug getrieben und mich der Polizeigewalt widersetzt hatte. Hinzu kam, daß ich wohl fürchterlich aussah. Irgend jemand schrie mich plötzlich drohend an. Der Schutzmann berichtete inzwischen von meinem Unfug und von dem Obersten in der Uniform eines Garderegiments ...