„Und Werssiloff wird sie ermorden! Wenn er sich schon zur Gemeinschaft mit Lambert erniedrigt hat, so wird er sie auch ermorden! Das ist nicht er, das ist sein Doppelgänger!“ rief ich.
„Ach, dieser Doppelgänger!“ Tatjana Pawlowna rang die Hände. „Aber jetzt müssen wir handeln!“ entschloß sie sich plötzlich. „Nimm deine Mütze, den Pelz, und vorwärts marsch! Und Sie, meine Beste, führen uns sofort zu ihnen hin. Ach, das ist ein weiter Weg! Marja, Marja, wenn Katerina Nikolajewna kommen sollte, dann sage ihr, ich käme sofort wieder, sie soll sich hinsetzen und auf mich warten, und wenn sie nicht warten will, so schließe die Tür zu und halt sie mit Gewalt zurück. Sag ihr, ich hätte dir so befohlen! Hundert Rubel bekommst du, Marja, wenn du mir diesen Dienst erweist!“
Wir liefen auf die Treppe hinaus. Zweifellos taten wir das Vernünftigste, denn die größte Gefahr drohte ihr doch in Lamberts Wohnung; und wenn Katerina Nikolajewna vorher zu Tatjana Pawlowna kam, so konnte Marja sie einfach zurückhalten. Aber Tatjana Pawlowna änderte, als wir schon eine Droschke genommen hatten, doch noch ihren Entschluß.
„Nein, fahr du allein mit ihr hin!“ rief sie mir zu und ließ mich mit Alphonsinka einsteigen. „Und dort stirb für sie, wenn es sein muß, verstanden? Ich werde dir gleich folgen, aber vorher will ich noch schnell zu ihr, vielleicht treffe ich sie noch, denn sag’ was du willst, mir kommt die Sache doch verdächtig vor!“
Und sie fuhr schnell zu Katerina Nikolajewna! Ich aber fuhr mit Alphonsinka zu Lambert. Ich trieb den Kutscher zur Eile an, und während der Fahrt fragte ich Alphonsinka weiter aus, aber Alphonsinka antwortete mir nur noch mit Ausrufen und zu guter Letzt mit Tränen. Doch Gott beschützte und rettete uns, als alles nur noch an einem Faden hing. Wir hatten kaum ein Viertel des Weges zurückgelegt, als ich plötzlich hinter uns schreien hörte: mein Name wurde gerufen. Ich sah mich um – Trischatoff jagte uns in einer Droschke nach.
„Wohin?“ rief er erschrocken, „und mit ihr, mit Alphonsinka!“
„Trischatoff!“ rief ich ihm zu, „Sie haben die Wahrheit gesagt – das Unglück ist da! Ich fahre zu dem Schuft Lambert! Kommen Sie mit, es ist dann doch einer mehr!“
„Kehren Sie um, kehren Sie sofort um!“ schrie Trischatoff. „Lambert betrügt Sie und Alphonsinka betrügt Sie! Der Pockennarbige schickt mich, sie sind gar nicht bei Lambert: ich bin Werssiloff und Lambert soeben begegnet: sie fuhren zu Tatjana Pawlowna ... jetzt werden sie schon dort sein ...“
Ich ließ den Kutscher halten und sprang in Trischatoffs Schlitten hinüber. Heute verstehe ich einfach nicht, wie ich mich damals so schnell habe entschließen können; aber ich glaubte ihm sofort und handelte danach. Alphonsinka kreischte fürchterlich, aber wir ließen sie sitzen, wo sie saß, und ich weiß nicht einmal, ob sie uns nachfuhr, oder ob sie dort ausstieg, jedenfalls habe ich sie nachher nie wieder gesehen.
Im Schlitten teilte mir Trischatoff Hals über Kopf und ganz atemlos mit, daß es sich da um gewisse Machenschaften handle, Lambert sei mit dem Pockennarbigen anfangs unter einer Decke gewesen, aber im letzten Augenblick habe der Pockennarbige sich bedacht und sei von ihm abgefallen. Jedenfalls habe er ihn, Trischatoff, selbst zu Tatjana Pawlowna geschickt, damit er ihr sage, daß sie Alphonsinka keinen Glauben schenken solle. Trischatoff fügte hinzu, weiter wisse er nichts, denn der Pockennarbige hätte selbst etwas sehr Wichtiges vorgehabt und deshalb nur in aller Eile die notwendigsten Anordnungen geben können. „Ich sah Sie fahren,“ fuhr Trischatoff fort, „und da bin ich Ihnen nachgejagt.“ Es war natürlich klar, daß der Pockennarbige alles wußte, da er Trischatoff doch geradeswegs zu Tatjana Pawlowna geschickt hatte, doch über dieses neue Rätsel dachte ich nicht lange nach.