Aber dort wurde schon laut und erregt gesprochen; ich muß bemerken, daß Katerina Nikolajewna vielleicht nur eine Minute nach ihnen die Wohnung betreten hatte. Schon in der Küche hatte ich erregte Stimmen vernommen: namentlich Lambert sprach in der Aufregung übermäßig laut. Sie saß auf dem Diwan, er aber stand vor ihr und schrie wie ein Narr. Heute weiß ich, warum er so sinnlos den Kopf verlor: er hatte es furchtbar eilig, weil er fürchtete, sie könnten überrascht werden. Später werde ich erklären, von welcher Seite er die Überraschung fürchtete. Den Brief hielt er in der Hand.
Werssiloff war nicht im Zimmer: er stand bereit, um bei der ersten Gefahr ins Zimmer zu stürzen. Ich kann nur den Sinn der Reden wiedergeben; ich war damals gar zu aufgeregt, und so habe ich denn von dem Gehörten nur das wenigste wörtlich behalten.
„Ich verlange für diesen Brief nur dreißigtausend Rubel, und Sie wundern sich noch! Er ist hunderttausend wert, aber ich verlange bloß dreißigtausend!“ rief Lambert laut und furchtbar erregt.
Katerina Nikolajewna war allerdings sichtlich erschrocken, aber sie sah ihn doch mit einem gewissen, schon im voraus verachtenden Staunen an.
„Ich sehe, daß man mir hier gewissermaßen eine Falle gestellt hat, aber ich verstehe nicht, was Sie eigentlich wollen,“ sagte sie. „Doch wenn Sie diesen Brief wirklich ...“
„Hier, sehen Sie, hier ist er! Erkennen Sie ihn? Ich verlange von Ihnen einen Wechsel über dreißigtausend Rubel und keine Kopeke weniger!“ fiel ihr Lambert ins Wort.
„Ich habe kein Geld.“
„Stellen Sie mir einen Wechsel aus – hier ist Papier. Und dann verschaffen Sie sich das Geld, ich werde warten, aber nur eine Woche – nicht länger ... Wenn Sie mir das Geld bringen – gebe ich Ihnen den Wechsel zurück, und dann bekommen Sie auch den Brief.“
„Sie erlauben sich mir gegenüber einen sehr sonderbaren Ton. Sie irren sich. Dieser Brief wird Ihnen heute noch abgenommen werden, wenn ich hingehe und Sie anzeige.“
„Wem? Hahaha! Aber der Skandal, und der alte Fürst, dem wir den Brief inzwischen zeigen! Und wo will man ihn mir abnehmen? Dokumente lasse ich doch nicht in meiner Wohnung. Und dem alten Fürsten zeige ich den Brief durch eine dritte Person. Seien Sie nicht eigensinnig, meine Gnädigste! Seien Sie mir vielmehr dankbar, daß ich nur so wenig verlange; ein anderer würde an meiner Stelle noch viel mehr verlangen, würde noch eine gewisse Gefälligkeit fordern ... Sie können sich denken, was für eine ... jedenfalls eine, die von keiner hübschen Frau verweigert wird, wenn sie ein wenig in die Enge getrieben ist – eben eine solche Gefälligkeit ... Hehehe! Vous êtes belle, vous!“[138]