Und jedesmal mußte ich jedem dieser müßigen Leute erklären:

„Nein, einfach Dolgoruki.“

Dieses „einfach“ drohte schließlich, mich einfach um meinen Verstand zu bringen. Übrigens verdient es gewissermaßen als Phänomen erwähnt zu werden, daß ich mich tatsächlich keines einzigen Menschen entsinne, der nicht so gefragt hätte, kein einziger machte eine Ausnahme! Viele interessierte diese Feststellung offenbar überhaupt nicht, es lag ihnen nichts an der Antwort, und ich begreife wirklich nicht, zu welch einer Teufelei sie auch nur einen von ihnen hätte interessieren sollen! Aber sie fragten alle, alle ohne Ausnahme. Und wenn ich dann gesagt hatte, daß ich einfach Dolgoruki hieße, maß mich der Betreffende gewöhnlich mit einem stumpfen, dumm-gleichgültigen Blick (der mir nur bestätigte, daß er selbst nicht wußte, wozu er gefragt hatte) und wandte sich von mir ab. Am kränkendsten fragten die Schulkameraden. Wie wird überhaupt ein Neuling von einem Mitschüler gefragt? Bekanntlich ist der verwirrte, eingeschüchterte Junge an seinem ersten Schultage – gleichviel in welcher Schule – das allgemeine Opfer: ihm wird verschiedenes befohlen, er wird geneckt und von allen Seiten unter die Lupe genommen. Und da pflanzt sich denn ein gesunder, dicker Junge breitspurig vor ihm auf und betrachtet ihn geraume Zeit mit strengem, hochmütigem Blick: der Neuling steht vor ihm, schweigt, sieht zu Boden oder zur Seite oder sieht ihn an, wenn er kein Feigling ist, und wartet, was jetzt wohl geschehen werde.

„Wie heißt du?“

„Dolgoruki.“

Fürst Dolgoruki?“

„Nein, einfach Dolgoruki.“

„Ah so, einfach! – Esel!“

Und er hat recht: es gibt nichts Dümmeres, als Dolgoruki zu heißen, wenn man nicht auch Fürst ist. Und den Fluch dieser Dummheit muß ich ohne mein Verschulden ewig mit mir herumschleppen. Später, als es mich doch zu sehr zu ärgern begann, antwortete ich auf die Frage:

„Bist du ’n Fürst?“