Da wandte sie sich plötzlich schnell nach mir um und sah mich durchbohrend an, mehrere Sekunden lang.
„Nimm dich in acht!“ drohte sie mir plötzlich mit dem Finger, aber so ernst, daß sich das gar nicht auf meinen dummen Scherz beziehen konnte, sondern wie eine Warnung in einer anderen Hinsicht klang, und ihr Blick schien zu fragen: „Läßt du dir einfallen, schon anzufangen?“
„Andrei Petrowitsch, so erinnern Sie sich wirklich nicht, wie wir uns zum erstenmal im Leben begegnet sind?“
„Bei Gott, ich hab’s vergessen, mein Freund, und fühle mich von Herzen schuldig. Ich entsinne mich bloß, daß es vor sehr langer Zeit gewesen sein muß und irgendwo ...“
„Und, Mama, erinnern Sie sich auch nicht, wie Sie einmal dort auf dem Lande waren, wo ich aufwuchs, ich glaube, als ich ungefähr sechs oder sieben Jahre alt war? Ich will nur wissen, sind Sie wirklich einmal dort auf dem Gut gewesen, oder scheint es mir nur nach einem Traum, daß ich Sie dort zum erstenmal gesehen habe? Das wollte ich Sie schon lange fragen, aber ich schob es immer hinaus, doch jetzt ist es Zeit dazu.“
„Selbstverständlich, Arkaschenka, selbstverständlich! Ich bin doch ganze dreimal bei Warwara Stepanowna zu Besuch gewesen. Das erstemal kam ich, als du erst ein Jahr alt warst, das zweitemal, als du vier wurdest, und als ich das drittemal kam, da warst du schon sechs.“
„Nun also, das wollte ich Sie schon den ganzen Monat fragen.“
Meine Mutter errötete lebhaft unter der Flut von Erinnerungen, die auf sie einstürmten, und sie fragte mich innig:
„So kannst du dich wirklich meiner noch aus der Zeit erinnern, Arkaschenka?“
„Ich erinnere mich an nichts und weiß nichts, nur ein Etwas ist von Ihrem Antlitz für mein ganzes Leben in meinem Herzen geblieben, und außerdem noch das Wissen, daß Sie meine Mutter sind. Das ganze Gut der Warwara Stepanowna sehe ich jetzt nur noch wie im Traum vor mir, sogar meine Wärterin habe ich vergessen. Und dieser Warwara Stepanowna entsinne ich mich auch nur verschwindend wenig, und dieses wenigen nur deshalb, weil sie beständig wegen Zahnweh eine verbundene Backe hatte. Ich erinnere mich noch der großen Bäume vor dem Hause, ich glaube, es waren Linden, und wie heller Sonnenschein in den offenen Fenstern stand, dazu ein Blumenbeet, ein Gartenweg ... Und Sie, Mama, habe ich nur in dem einen Augenblick im Gedächtnis, als ich dort in der Kirche einmal zum Abendmahl gebracht wurde, und Sie hoben mich auf, damit ich die Hostie empfinge und den Kelch küßte; es war im Sommer, und eine Taube flog oben unter der Kuppel durch die Kirche, zu einem Fenster herein, zum anderen hinaus ...“