„Vorhin ist mir die Bemerkung entschlüpft, der Brief Touchards an Tatjana Pawlowna sei in Moskau von Marja Iwanowna unter den Papieren des verstorbenen Andronikoff gefunden worden. Ich sah, wie in dem Augenblick plötzlich etwas in Ihrem Gesicht zuckte, und erst jetzt, als es wieder so in Ihrem Gesicht zuckte, habe ich erraten, warum: Ihnen kam damals der Gedanke, wenn schon ein Brief aus den Händen Andronikoffs in die Hände Marja Iwanownas übergegangen ist, weshalb könnte dann nicht noch ein zweiter Brief denselben Weg gegangen sein, was? Ist das nicht so?“

„Und ich, ich hätte nun, indem ich zu dir kam, dich dazu bringen wollen, daß dir wieder eine Bemerkung entschlüpfe?“

„Darüber werden Sie selbst Bescheid wissen.“

Er wurde sehr bleich.

„Darauf bist du nicht von selbst verfallen; hier merke ich den Einfluß einer Frau, und wieviel Haß schon in deinen Worten ist – in deiner rohen Vermutung!“

„Einer Frau? Und gerade heute habe ich diese Frau gesehen! Vielleicht wollen Sie nur deshalb, daß ich beim Fürsten bleibe, um ihr nachspionieren zu können?“

„Jedenfalls sehe ich, daß du es auf deinem neuen Wege noch weit bringen wirst. Ist das nicht am Ende auch ‚deine Idee‘? Fahre nur so fort, mein Freund, du hast zweifellos Anlagen zum Detektiv. Ist einem ein Talent gegeben, so muß man es ausbilden.“

Er hielt inne, um Atem zu schöpfen.

„Nehmen Sie sich in acht, Werssiloff, machen Sie mich nicht zu Ihrem Feinde!“

„Mein Freund, seine letzten Gedanken spricht in solchen Fällen niemand aus, sondern behält sie für sich. Und nun, ich bitte dich, leuchte mir. Du bist zwar mein Feind, aber doch wohl nicht in solchem Maße, daß du mir einen Genickbruch wünschtest. Tiens, mon ami,[28] stelle dir vor,“ fuhr er fort, indem er die Treppe hinabstieg, „ich habe dich diesen ganzen Monat für einen gutmütigen Jungen gehalten. Du möchtest so gern leben, du lechzt so nach Leben, daß dir, wie es scheint, selbst wenn man dir drei Menschenleben gäbe, sogar diese drei nicht genügen würden, auch die wären für dich noch zu wenig: das steht auf deinem Gesicht geschrieben; nun, und solche Leute sind meistens gutmütig. Und da sieh nun, wie ich mich getäuscht habe!“