„Aber, o Gott!“ rief plötzlich Katerina Iwanowna, die Hände ringend. „Er! er hat so unmenschlich sein können, so unmenschlich! Er hat dieser Dirne erzählt, was dort war, damals, an jenem schrecklichen, entsetzlichen, verfluchten, ewig verfluchten Tage! ‚Sind doch Ihre Schönheit verkaufen gegangen, liebes Fräulein!‘ Und sie weiß das! Ihr Bruder ist ein Schuft, Alexei Fedorowitsch!“

Aljoscha wollte etwas sagen, aber er fand kein einziges Wort. Sein Herz krampfte sich zusammen vor Schmerz.

„Gehen Sie fort, Alexei Fedorowitsch! Ich schäme mich, mir ist so furchtbar zumut! Morgen ... ich flehe Sie an, kommen Sie morgen! Verurteilen Sie mich nicht, verzeihen Sie, ich weiß noch nicht, was ich mit mir machen werde.“

Aljoscha trat auf die Straße. Er wankte beinahe. Er wollte gleichfalls weinen wie sie. Da kam ihm das Stubenmädchen nachgelaufen.

„Das gnädige Fräulein hat vergessen, Ihnen diesen Brief von Fräulein Chochlakowa zu übergeben; er lag bei ihr seit dem Mittag.“

Aljoscha nahm ganz mechanisch das kleine rosa Kuvert und steckte es, ohne es selbst zu gewahren, in die Tasche.

XI.
Noch ein verlorener Ruf

Das Kloster war nur etwas über eine Werst von der Stadt entfernt. Aljoscha schritt eilig aus auf der zu dieser Stunde ganz einsamen Straße. Die Nacht brach schon an: auf dreißig Schritt konnte man die Gegenstände nur schwer unterscheiden. Ungefähr auf der Hälfte des Weges kam ein Kreuzweg. Dort am Kreuzweg stand an einem einsamen Silberweidenbaum eine Menschengestalt. Kaum hatte Aljoscha den Kreuzweg betreten, als die Gestalt sich vom Baume loslöste, ihm entgegenstürzte und mit grimmig wilder Stimme rief:

„Den Beutel oder das Leben!“

„Ach, das bist du, Mitjä!“ sagte höchst erstaunt Aljoscha, der zuerst doch etwas zusammengefahren war.