„Aber Aljoscha! Aber die Meinung Alexei Fedorowitschs, die Sie so gern erfahren wollten?“ rief Frau Chochlakoff, sie aufhaltend. Etwas Böses und Feindseliges klang durch ihre Worte.
„Das habe ich auch nicht vergessen,“ – Katerina Iwanowna blieb sofort stehen – „aber warum sind Sie heute so feindselig zu mir, Katerina Ossipowna?“ fragte sie mit bitterem, heißem Vorwurf. „Was ich gesagt habe, das tue ich auch. Ich brauche unbedingt seine Meinung, ja, ich bedarf sogar seines Urteils! So wie er sagt, wird es auch sein – sehen Sie, wie sehr mich im Gegenteil nach Ihren Worten verlangt, Alexei Fedorowitsch ... Aber, was haben Sie?“
„Das hätte ich nie gedacht, nie für möglich gehalten!“ sagte Aljoscha traurig, doch sehr erregt.
„Was, was nicht gedacht?“
„Er fährt nach Moskau, Sie aber sagen, das freue Sie – das haben Sie absichtlich ausgerufen! Darauf aber begannen Sie sofort zu erklären, daß Sie sich nicht darüber freuten, sondern es bedauerten, daß ... Sie einen Freund verlieren, – aber auch das haben Sie absichtlich so vorgespielt ... wie im Theater, in der Komödie vorgespielt! ...“
„Was? ... Im Theater? ... Was sagen Sie?“ fragte Katerina Iwanowna maßlos verwundert; sie erglühte plötzlich und zog die Brauen zusammen.
„Aber wie sehr Sie ihm auch versichern, daß Sie den Freund in ihm vermissen werden, Sie behaupten ihm doch offen ins Gesicht, daß das Glück darin bestehe, daß er fortfährt ...“ sagte ganz atemlos Aljoscha.
„Wovon reden Sie, ich weiß nicht ...“
„Ich weiß es selbst auch nicht ... Es ist plötzlich wie eine Erleuchtung über mich gekommen ... Ich weiß, daß ich das nicht gut ausdrücke, aber ich werde trotzdem alles sagen,“ fuhr Aljoscha mit zitternder und halb versagender Stimme fort. „Meine Erleuchtung besteht darin: Ich sehe, daß Sie meinen Bruder Dmitrij vielleicht überhaupt nicht lieben ... von Anfang an nicht ... und auch Dmitrij Sie vielleicht überhaupt nicht liebt ... von Anfang an überhaupt nicht ... und Sie nur sehr achtet ... Ich, wirklich, ich weiß nicht, wie ich wage, das alles zu sagen, aber irgend jemand muß doch die Wahrheit sagen ... denn hier will es ja niemand tun.“
„Was für eine Wahrheit?“ rief Katerina Iwanowna, und Zorn klang durch ihre Stimme.