Er verstummte, als ob ihm plötzlich die Stimme versagt hätte. Jeder Nerv seines Gesichtes ging und zuckte, doch blickte er Aljoscha herausfordernd an. Er schien seiner selbst nicht mehr mächtig zu sein.
„Ich glaube jetzt alles zu verstehen,“ sagte Aljoscha, der sitzen blieb, leise und traurig. „Ihr Junge ist also ein guter Knabe, der seinen Vater liebt und mich als Bruder Ihres Beleidigers gebissen hat ... Das sehe ich jetzt wohl ein,“ sagte er nachdenklich. „Mein Bruder Dmitrij Fedorowitsch bereut seine Handlung, das weiß ich, und wenn er nur zu Ihnen kommen könnte, oder besser, wenn er Sie dort in demselben Lokal wieder treffen könnte, so würde er Sie in Gegenwart aller um Verzeihung bitten ... Wenn Sie es wünschen.“
„Also: ‚er hat das Bärtchen ausgerissen und darauf um Verzeihung gebeten‘ – was will man mehr; er hat alles wieder gut gemacht, nicht wahr?“
„O nein, im Gegenteil, er wird alles tun, was Sie wollen, und wie Sie es wollen!“
„Das heißt also, wenn ich Seine Erlaucht bitten würde, in demselben Lokal – ‚Zur Hauptstadt‘ heißt es – oder auf dem Großen Platz gefälligst vor mir niederzuknien, so würde er es tun?“
„Ja, er würde niederknien.“
„Sie entwaffnen mich, Sie rühren und entwaffnen mich! Bin nur gar zu geneigt, die Großmut Ihres Herrn Bruders zu empfinden. Gestatten Sie mir, Ihnen meine Familie vorzustellen: meine beiden Töchter und mein Sohn – mein ganzes Nest. Wenn ich nun sterbe, wer wird sie dann noch lieben? Solange ich aber noch lebe – wer kann mich garstiges Kerlchen außer ihnen lieben? Etwas Großes hat Gott damit für einen jeden kleinen Menschen von meiner Art geschaffen, Verehrtester. Denn, nicht wahr, auch ein Mensch wie ich, muß jemanden zum Lieben haben ...“
„Da sagen Sie ein wahres Wort!“ meinte Aljoscha herzlich.
„Ach, hören Sie doch endlich auf, den Hampelmann zu spielen, Papa! Es braucht nur irgendein Dummkopf herzukommen, so erniedrigen Sie sich sofort!“ rief ganz unerwartet das Mädchen am Fenster ihrem Vater mit gereizter Stimme und verächtlicher Miene zu.
„Gedulden Sie sich noch einen Augenblick, Warwara Nikolajewna, und lassen Sie mich im Stil bleiben,“ rief ihr der Vater, wenn auch in befehlendem Tone, so doch mit billigendem Blicke zu. „Das ist nun einmal so ihr Charakter,“ fügte er darauf, zu Aljoscha gewandt, hinzu.