„Ich will, daß Sie ein dunkelblaues Sammetjackett tragen, eine weiße Weste und einen weichen grauen Filzhut ... Aber sagen Sie, glaubten Sie mir vorhin wirklich, als ich sagte, ich liebte Sie nicht, und mich von meinem gestrigen Brief lossagte?“

„Nein, ich glaubte Ihnen nicht.“

„O, Sie unerträglicher, Sie unverbesserlicher Mensch!“

„Ich ... ich wußte, daß Sie mich ... ich glaube, lieben, aber ich tat, als ob ich nicht glaubte, daß Sie mich lieben, damit es Ihnen ... bequemer sei ...“

„Das ist ja noch schlimmer! Ach, schlimmer, und doch am aller, allerbesten! Aljoscha, ich liebe Sie ganz furchtbar! Vorhin, als ich Sie erwartete, dachte ich so: Ich werde von ihm meinen gestrigen Brief zurückverlangen, und wenn er ihn ruhig hervorzieht und ihn mir wiedergibt – wie man das doch immerhin von ihm erwarten kann – so bedeutet es, daß er mich überhaupt nicht liebt, nichts fühlt, einfach nur ein dummer, unwürdiger Knabe ist ... und ich verloren bin. Sie aber hatten den Brief in der Zelle gelassen, und das gab mir wieder Mut. Nicht wahr, Sie haben ihn doch deswegen in der Zelle gelassen, weil Sie vorausfühlten, daß ich ihn zurückverlangen werde, also um ihn nicht herausgeben zu müssen? Nicht wahr? Darum doch? Das war doch so?“

„Ach, Lise, gar nicht so, ich habe ihn doch bei mir, und auch vorhin hatte ich ihn, hier in dieser Tasche, hier ist er.“

Und Aljoscha zog lachend den Brief aus der Tasche und zeigte ihn ihr, – doch nur von weitem.

„Nur gebe ich ihn nicht heraus, sehen Sie ihn so von ferne.“

„Wie? Dann haben Sie also vorhin gelogen, Sie, ein Mönch, und Sie haben gelogen?“

„Möglich, daß ich gelogen habe,“ sagte Aljoscha lachend, „ich habe gelogen, um ihn nicht zurückgeben zu müssen. Er ist mir sehr teuer,“ fügte er plötzlich leise hinzu und errötete wieder, „Jetzt wird ihn niemand mehr von mir bekommen: Jetzt gehört er mir für mein ganzes Leben!“