„Verzeihen Sie, wenn es nicht so ... Ich ... ich war vielleicht furchtbar dumm ... Sie sagten, ich sei kalt, und ... und da faßte ich mir ein Herz und küßte ... Nur sehe ich jetzt, daß es dumm herausgekommen ist ...“

Lise lachte auf und verbarg das Gesicht in den Händen.

„Und in dieser Kutte!“ kam es unter Lachen aus ihr heraus.

Doch plötzlich hörte sie auf zu lachen und wurde ganz ernst, fast streng.

„Nein, Aljoscha, mit dem Küssen wollen wir noch warten, denn wir verstehen es beide noch nicht – warten aber müssen wir noch sehr lange,“ schloß sie plötzlich. „Sagen Sie lieber, warum Sie mich, solch ein dummes Ding, solch ein krankes dummes Ding, nehmen, Sie, der Sie so klug sind, der so viel denkt, alles bemerkt und sogleich begreift? Ach, Aljoscha, ich bin furchtbar glücklich, weil ich Ihrer gar nicht wert bin!“

„Hören Sie, Lise: In den nächsten Tagen werde ich das Kloster ganz verlassen. Wenn man aber in der Welt lebt, so muß man heiraten, das weiß ich doch auch. Und so hat auch Er es mir befohlen. Wen sollte ich sonst nehmen, wenn nicht Sie ... und wer würde mich denn außer Ihnen nehmen? Wer wäre denn besser als Sie? Das habe ich schon bedacht. Erstens kennen Sie mich von Kindheit an, und zweitens besitzen Sie viele Fähigkeiten, die ich überhaupt nicht habe. Ihre Seele ist heiterer als die meine, und Sie sind unschuldiger als ich, ich aber habe schon vieles berührt ... Sie ... Sie wissen es nicht, aber auch ich bin doch ein Karamasoff! Was liegt daran, daß Sie lachen und scherzen und auch über mich lachen und sich lustig machen? Ich freue mich so darüber ... Aber Sie lachen nur als kleines Mädchen, doch im Herzen denken Sie wie eine Märtyrerin ...“

„Wie eine Märtyrerin? Wieso das?“

„Ja, Lise. Zum Beispiel Ihre Frage vorhin: ‚Liegt darin nicht Verachtung für jenen Unglücklichen, wenn wir seine Seele so zerpflücken?‘ – Das kann nur jemand fragen, der sich selbst martert ... Sehen Sie, es ist mir unmöglich, das auszudrücken. Wem aber solche Fragen in den Sinn kommen, der ist fähig, zu leiden ... In diesem Rollstuhl müssen Sie schon vieles durchdacht haben ...“

„Aljoscha, geben Sie mir Ihre Hand, warum haben Sie sie fortgezogen?“ sagte Lise leise mit einer ganz sonderbaren, von Glück gleichsam geschwächten, matten Stimme. „Hören Sie, Aljoscha, wie werden Sie sich kleiden, wenn Sie das Kloster verlassen haben, was für einen Anzug werden Sie tragen? Lachen Sie nicht und seien Sie mir nicht böse, das ist sehr, sehr wichtig für mich.“

„An den Anzug habe ich noch nicht gedacht, Lise, aber ich werde tragen, was Sie wollen.“