„Sehr gern, Lise, und sogar unbedingt, aber nur nicht im Wichtigsten. Wenn Sie einmal in der Hauptsache mit mir nicht einverstanden sein sollten, werde ich trotzdem tun, was mir die Pflicht gebietet.“

„So muß es auch sein! So hören Sie denn, daß auch ich, im Gegenteil, nicht nur im Hauptsächlichsten mich zu unterwerfen bereit bin, sondern mich Ihnen in allem unterwerfen werde und Ihnen das jetzt schwöre, – in allem und mein ganzes Leben lang!“ rief Lise leidenschaftlich aus, „und ich werde glücklich sein, das zu tun, glückselig! Und das ist noch nicht alles! Ich schwöre Ihnen noch, daß ich Sie niemals belauschen werde, kein einziges Mal, niemals, daß ich keinen einzigen Ihrer Briefe aufbrechen werde, denn Sie haben recht und nicht ich. Und wenn ich auch noch so sehr horchen wollte – ich weiß, daß ich es furchtbar wollen werde –, so werde ich es doch nicht tun, werde es nicht tun, weil Sie das unedel finden! Sie sind jetzt gleichsam meine Vorsehung ... Hören Sie, Alexei Fedorowitsch, warum waren Sie in diesen Tagen so traurig, und auch gestern und heute? Ich weiß, daß Sie Sorgen und Kummer haben, aber ich sehe auch, daß Sie außerdem noch ein ganz besonderes Leid haben, – ein geheimes vielleicht, nicht?“

„Ja, Lise, ich habe auch geheimes Leid,“ sagte Aljoscha traurig. „Ich sehe, daß Sie mich lieben, hätten Sie das doch sonst nicht erraten.“

„Was ist denn das für ein Leid? Können Sie es nicht sagen?“ fragte Lise in schüchterner Bitte.

„Ich werde es sagen, Lise ... später ...“ sagte Aljoscha verwirrt. „Jetzt würde es ganz unverständlich sein ... Und ich würde es auch gar nicht zu sagen verstehen.“

„Ich weiß, daß Sie außerdem noch der Gedanke an Ihre Brüder quält, an Ihren Vater?“

„Ja, auch an meine Brüder ...“ sagte Aljoscha wie in Gedanken versunken.

„Ich liebe Ihren Bruder Iwan Fedorowitsch nicht,“ bemerkte plötzlich Lise.

Aljoscha vernahm diese Bemerkung mit einiger Verwunderung, doch fragte er sie nicht weiter nach der Ursache.

„Meine Brüder stürzen sich ins Unglück,“ fuhr er niedergeschlagen fort, „und mein Vater tut dasselbe. Und zusammen mit sich bringen sie auch noch andere ins Unglück. Das ist die ‚Karamasoffsche Erdkraft‘, wie sich Pater Paissij vor kurzem ausdrückte, das ist die grimmige, entfesselte, rohe, rasende Erdkraft ... Und ich weiß nicht einmal, ob Gottes Geist über dieser Kraft schwebt – selbst das weiß ich nicht! Ich weiß nur, daß auch ich ein Karamasoff bin ... Ein Mönch soll ich sein? Bin ich ein Mönch, Lise? Sie sagten doch noch vor einem Augenblick so etwas Ähnliches, wie ... ich sei ein Mönch?“