„Nur sagen Sie das nicht ihr,“ sagte Aljoscha, „es würde sie nur aufregen, das ist ihr jetzt schädlich.“

„Das ist ein vernünftiges Wort von einem vernünftigen jungen Mann! Ich verstehe Sie doch recht, wenn ich annehme, daß Sie nur aus Mitleid mit ihrem krankhaften Zustande, um sie nicht durch Widerspruch zu reizen, darauf eingegangen sind?“

„O nein, durchaus nicht. Ich habe es vollkommen ernst gemeint,“ sagte Aljoscha fest.

„Aber das ist doch unmöglich, undenkbar! Ich werde Sie überhaupt nicht mehr empfangen, und Lise bringe ich sofort ins Ausland, das sage ich Ihnen!“

„Aber warum das?“ fragte Aljoscha, „das ist doch noch so fern, wir werden vielleicht noch ganze anderthalb Jahre warten müssen.“

„Ach, Alexei Fedorowitsch, das ist natürlich wahr, und in anderthalb Jahren werden Sie sich mit ihr natürlich tausendmal zanken und schließlich doch auseinandergehen. Aber ich bin so unglücklich, so unglücklich! Wenn es auch nur Dummheiten sind, so vernichtet es mich doch geradezu! Ich bin ja absichtlich hierher ins Vorzimmer gekommen, um Sie zu treffen. Ich habe alles gehört, ich habe kaum an mich halten können! Also das ist die Erklärung aller Schrecken dieser Nacht und aller Anfälle gestern und heute! Der Tochter Liebe ist wahrlich der Mutter Tod. Ich kann mich jetzt begraben lassen. Doch nun zur Hauptsache: Was ist das für ein Brief, den sie Ihnen geschrieben hat? Zeigen Sie ihn mir sofort, sofort!“

„Nein, das ist nicht nötig. Sagen Sie bitte, wie geht es Katerina Iwanowna, ich muß es unbedingt wissen.“

„Sie liegt noch in Fieberphantasien, sie ist noch nicht zu sich gekommen; ihre Tanten sind hier und seufzen bloß; Herzenstube kam her, erschrak aber dermaßen, daß ich nicht wußte, was ich mit ihm anfangen sollte, – ich wollte schon zu einem anderen Doktor schicken. Ich habe ihn in meiner Equipage nach Hause bringen lassen. Und plötzlich, zur Vollendung des Ganzen, noch Sie mit diesem Brief! Es ist ja wahr, daß noch anderthalb Jahre bis dahin sind. Ich beschwöre Sie, im Namen alles Heiligen und Großen, im Namen Ihres sterbenden Staretz – zeigen Sie mir diesen Brief, Alexei Fedorowitsch, mir, der Mutter! Wenn Sie wollen, halten Sie ihn mit Ihren eigenen Fingern fest, und ich werde ihn nur so in Ihren Händen lesen.“

„Nein, gnädige Frau, ich werde ihn nicht zeigen, auch wenn Lise es erlaubte, würde ich ihn nicht zeigen. Ich werde morgen wiederkommen, und wenn Sie wollen, können wir dann vieles besprechen, jetzt aber – leben Sie wohl!“

Und damit eilte Aljoscha die Treppe hinab auf die Straße.