„Nicht nur das würde ich können und nicht nur das würde ich wissen, sondern ganz gewaltig viel mehr, wenn ich nicht selbiges Los von Kindesbeinen an hätte. Ich würde jeden im Duell mit einer Pistole sogar totschießen, der mir zu sagen wagte, daß ich kein edler Mensch sei, weil ich sozusagen ohne Vater von der, die man die ‚Stinkende‘ nannte, entstanden bin. Man hat mir das auch in Moskau alleweil unter die Nase gerieben, da es sich auch dorthin von hier selbentlich, dank Grigorij Wassiljewitsch, hinverbreitet hatte. Grigorij Wassiljewitsch aber wirft mir vor, daß ich für meine Geburt nicht alleweil demütig Gott danke; ‚du hast ihr‘, sagt er, ‚den ganzen Mutterleib aufgerissen‘. Meinetwegen Mutterleib, aber ich hätte mit Handkuß erlaubt, mich im Mutterleib zu töten, unter der Bedingung, daß ich dann gar nicht auf diese Welt geboren worden wäre. Auch auf dem Markt wird von selbigem gesprochen, und auch Ihre Mutter hat in ihrer Unvornehmheit angefangen mir zu erzählen, daß sie den Weichselzopf auf dem Kopf gehabt hätte und im ganzen nur zwei Arschin und eine Kleinigkeit groß gewesen sei. Warum denn ‚und eine Kleinigkeit‘, wenn man doch ‚und etwas drüber‘ sagen kann, wie es alle Leute tun? Sie wollen es wohl mitleidig ausdrücken, aber das ist doch sozusagen nur bäuerische Weinerlichkeit, bäuerisches Gefühl und sonstig nichts. Kann denn ein russischer Bauer für einen gebildeten Menschen überhaupt Gefühle haben? Wegen seiner Unbildung kann er überhaupt nichts fühlen. Und von Kindesbeinen an ist es mir, wenn ich dies ‚und eine Kleinigkeit‘ höre, als müßt ich auf die Wände rennen. Ich hasse ganz Rußland, Marja Kondratjewna.“

„Ach, sagen Sie so was nicht! Wenn Sie ein Junkerchen oder ein Husarchen wären, würden Sie das nicht sagen, sondern den Säbel herausziehen und ganz Rußland verteidigen.“

„Ich will nicht nur kein Junker sein, ich will sogar, daß alle Soldaten abgeschafft werden.“

„Und wenn der Feind kommt, wer wird uns dann verteidigen?“

„Das ist auch gar nicht nötig. Im Jahre zwölf dieses selbigen Jahrhunderts gab es einen großen Heereszug nach Rußland von dem Kaiser Napoleon, dem französischen, dem Ersten, dem Vater des jetzigen, und es wäre mannigfach gut gewesen, wenn uns diese selben Franzosen damals besiegt und uns sich unterworfen hätten: Eine kluge Nation hätte dann eine äußerst dumme unterworfen und sich einverleibt. Dann würden hier jetzt ganz andere Gesetze und Ordnungen sein.“

„Als ob dort bei ihnen alles so viel besser wäre, als bei uns! Ich würde gar manchen von unseren Stutzerchen nicht einmal gegen drei junge Engländer eintauschen,“ sagte schäkernd Marja Kondratjewna, die diese Worte wahrscheinlich mit den süßesten Blicken begleitete.

„Das kommt drauf an, wie es wem gefällt.“

„Und Sie sind doch selbst wie ein echter Ausländer, da seh’ Sie doch einer nur an, aber ein ganzer Ausländer, das sage ich Ihnen ohne Beschönigung!“

„Wenn Sie was wissen wollen, so lassen Sie sich gesagt sein, daß in der Verderbnis die Ausländer wie die Inländer alle durch die Bank gleich sind. Alle sind sie dieselbigen, nur daß der dortige in Lackstiefeln geht, unser hiesiger aber in seiner Armut stinkt und darin nicht einmal was Schlechtes sieht. Das russische Volk muß man versohlen, wie neulich Fedor Pawlowitsch sehr richtig gesagt hat, wenn auch er mit all seinen Kindern ein verrückter Mensch ist und bleibt.“

„Aber Sie haben doch selbst gesagt, daß Sie den Iwan Fedorowitsch so achten?“