„Du bist, glaube ich, ein riesengroßer Idiot und außerdem, versteht sich, der gemeinste Schurke!“ sagte Iwan Fedorowitsch langsam und erhob sich von der Bank.

Er wollte darauf durch das Fußpförtchen auf den Hof gehen, doch plötzlich blieb er stehen und wandte sich um zu Ssmerdjäkoff. Es geschah etwas Sonderbares: Plötzlich, wie im Krampf, hatte Iwan Fedorowitsch die Zähne zusammengepreßt und die Fäuste geballt und – noch einen Augenblick, und er hätte sich auf Ssmerdjäkoff gestürzt. Der aber, der es sofort bemerkt hatte, fuhr zusammen und bog erschrocken den Oberkörper zurück. Doch der Augenblick verging glücklich für Ssmerdjäkoff, und Iwan Fedorowitsch wandte sich schweigend, als ob er plötzlich in Zweifeln befangen wäre, zur Pforte.

„Ich werde morgen nach Moskau fahren, wenn es dich interessiert, – morgen in der Früh, – das ist alles!“ sagte er plötzlich boshaft, laut und langsam, und als er es gesagt hatte, fragte er sich verwundert, was ihn veranlaßt haben mochte, Ssmerdjäkoff das zu sagen, und auch später noch stellte er sich oftmals diese Frage.

„Das ist auch das allerbeste,“ griff Ssmerdjäkoff sofort auf, ganz, als hätte er nur darauf gewartet, „und wäre es nur, daß man Euch in Moskau mit dem Telegraphen beunruhigen und zurückrufen könnte, in irgend so einem besonderen Fall.“

Iwan Fedorowitsch blieb wieder stehen und wandte sich von neuem brüsk zu Ssmerdjäkoff zurück. Doch mit dem schien etwas Sonderbares geschehen zu sein: seine ganze Familiarität und Nachlässigkeit waren mit einemmal verschwunden; sein ganzes Gesicht drückte ungewöhnliche Aufmerksamkeit und Erwartung aus – doch war es diesmal zaghafte, furchtsame, knechtische Erwartung. „Wirst du nicht noch etwas sagen, nicht noch etwas hinzufügen?“ fragte förmlich sein unverwandter, sich an Iwan Fedorowitsch gleichsam festsaugender Blick.

„Und aus Tschermaschnjä würde man mich etwa nicht zurückrufen ... in irgend so einem besonderen Fall?“ schrie ihn plötzlich Iwan Fedorowitsch an, ohne selbst zu wissen, warum er so die Stimme erhob.

„Auch aus Tschermaschnjä würde man ... beunruhigen ...“ murmelte Ssmerdjäkoff fast flüsternd, und als hätte er sich ganz verloren, doch fuhr er dabei unverwandt fort, aufmerksam, ungeheuer aufmerksam Iwan Fedorowitsch gerade in die Augen zu blicken.

„Nur ist Moskau weiter und Tschermaschnjä näher, so tut es dir wohl um das verfahrene Geld leid, nicht? wenn du mir nach Tschermaschnjä zu fahren zuredest, oder tue ich dir etwa leid, weil ich dann einen so großen Umweg mache?“

„Genau so ...“ murmelte Ssmerdjäkoff, widerlich lächelnd, mit fast tonloser Stimme – und wieder war er angespannt bereit, sofort rechtzeitig zurückzuspringen.

Doch zu Ssmerdjäkoffs höchster Verwunderung ging Iwan Fedorowitsch auflachend zur Pforte und trat, immer noch lachend, durch sie ein. Wer aber sein Gesicht gesehen hätte, der würde sich bestimmt gesagt haben, daß er nicht etwa lachte, weil ihm froh zumut war. Und auch ihm selbst wäre es unmöglich gewesen, zu erklären, was damals, in jener Minute mit ihm geschehen war. Bewegte er sich und ging er doch, als ob sich seine Glieder krampften.