„Ihr geruht doch selber zu wissen, warum sie kommen werden, wozu hier meine Gedanken? Können sie doch schon aus Wut allein kommen oder auch aus Argwohn, beispielsweise, wenn ich krank bin. Dann wissen sie, daß ich nicht aufpassen kann, und werden vielleicht wie gestern in die Zimmer laufen, um sich alsomit zu vergewissern, ob ihre Dame nicht irgendwie von ihnen unbemerkt gekommen ist. Auch wissen sie ganz genau, daß der Herr ein großes Kuvert bereit liegen haben, und daß da drin dreitausend Rubel sind, und daß der Herr das Kuvert mit drei großen Siegeln verlackt und mit einem Bändchen kreuzweise umbunden und eigenhändig draufgeschrieben haben: ‚Meinem Engel Gruschenka, wenn sie zu mir kommen will‘, und daß sie darauf nach drei Tagen noch hinzugefügt haben ‚und Küchelchen‘. Das aber ist es nun, was gefährlich werden kann.“

„Blödsinn!“ stieß Iwan Fedorowitsch wutbebend hervor. „Dmitrij wird nicht Geld rauben gehn und dabei noch den Vater erschlagen. Er hätte ihn vielleicht gestern ihretwegen aus besinnungsloser Eifersucht erschlagen können, aber Geld stehlen – das tut ein Dmitrij Fedorowitsch nicht!“

„Sie brauchen aber jetzt Geld, brauchen es ganz gewaltig! Ihr wißt ja nicht einmal, wie nötig sie es haben,“ erklärte ungewöhnlich ruhig und auffallend deutlich Ssmerdjäkoff. „Und selbige Dreitausend halten sie noch dazu für ihr Geld, und so haben sie selber mir sogar mannigfach erklärt; ‚Diese Dreitausend ist er mir so gut wie schuldig‘, haben sie zu mir gesagt. Und zu alledem bedenkt doch selbst, Herr, daß Agrafena Alexandrowna, wenn sie nur wollen, den Herrn zwingen werden, sie zu heiraten, den alten Herrn Fedor Pawlowitsch, das ist doch so wie es ist, muß man sagen, die reinste abgekochte Wahrheit, wenn sie nur selber wollen, und es kann doch sein, daß sie wirklich wollen werden. Ich sag doch nur so selbentlich, daß sie nicht kommen werden, sie aber wollen vielleicht noch viel mehr als Dreitausend, sie wollen vielleicht geradeswegs Gnädige werden. Ich selber weiß, daß der Kaufmann Ssamssonoff ihr in aller Aufrichtigkeit gesagt hat, das wäre sogar äußerst wenig dumm, und daß sie darauf gelacht haben. Und sie sind gleichfalls eine Dame, die äußerst wenig dumm sind. Einen Habenichts, wie es doch Dmitrij Fedorowitsch sind, kann ihr nicht passen zu heiraten. Wenn man alsomit jetzt bedenkt, Herr, daß dann weder für Dmitrij Fedorowitsch, noch selbst für Euch, Herr, mitsamt Euerm Brüderchen Alexei Fedorowitsch so gut wie nichts nach dem Tode des Vaters verbleiben wird, kein einziger runder Rubel, dieweil Agrafena Alexandrowna sie nur deswegen heiraten werden, um alles für sich verschreiben zu lassen, alles, was es nur an Kapitalien gibt, so bedenkt doch selbst, wie es ist. Stirbt aber der alte Herr jetzt, da doch noch nichts davon geschehen ist, so kriegt jeder von Ihnen sofort blank und bar, wie man sagt, mindestens seine Vierzigtausend sicher, sogar Dmitrij Fedorowitsch, der ihnen jetzt so gewaltig verhaßt ist, da sie ein Testament noch nicht gemacht haben ... Und das alles weiß Dmitrij Fedorowitsch wie dreimal drei.“

Es war, als ob sich in Iwan Fedorowitschs Gesicht etwas verzerrte. Er zitterte am ganzen Körper. Und plötzlich stieg ihm dunkelrot das Blut ins Gesicht.

„Warum also rätst du mir daraufhin, nach Tschermaschnjä zu fahren?“ unterbrach er Ssmerdjäkoff. „Was wolltest du damit sagen? Du siehst doch, was geschehen wird, wenn ich fahre!“

Iwan Fedorowitsch atmete schwer.

„Das ist vollkommen richtig,“ sagte wohlüberlegt, leise und überzeugungsvoll Ssmerdjäkoff, der nicht aufhörte, Iwan Fedorowitsch aufmerksam und unverwandt zu beobachten.

„Wieso vollkommen richtig?“ fragte, nur mit Mühe sich bezwingend, Iwan Fedorowitsch, und seine Augen blickten drohend.

„Ich meinte selbiges nur, weil ich Mitleid hatte mit Euch, Herr. An Eurer Stelle würde ich das alles hier liegen lassen, wie es ist, und fortgehen ... das ist doch besser, als bei solch einer Geschichte dabei sitzen ...“ antwortete Ssmerdjäkoff, indem er scheinbar mit der größten Offenheit in die unheimlich drohenden Augen Iwan Fedorowitschs blickte.

Beide schwiegen eine Weile.