„Nur von wegen meiner gewaltigen Angst. Und wie hätte ich denn hinwiederum wagen können, ihnen selbiges zu verheimlichen? Dmitrij Fedorowitsch drohen mir jeden lieben Tag: ‚Du betrügst mich‘, sagen sie, ‚du verheimlichst etwas! Ich werde dich zu Brei schlagen, werde dir beide Beine ausreißen!‘ Und da machte ich ihnen denn Mitteilung von selbigen geheimen Zeichen, damit sie wenigstens meine treue Ergebenheit sehen und sich alsomit vergewissern, daß ich sie nicht betrüge und alles gehorsamst vermelde.“

„Wenn du glaubst, daß er die Kenntnis dieser Zeichen benutzen will, um hineinzukommen, so mußt du doppelt acht geben, hörst du, und ihn auf keinen Fall hereinlassen!“

„Wenn ich aber selber einen Anfall habe, wie soll ich sie dann nicht hereinlassen, selbst wenn ich mich erdreisten könnte, sie nicht hereinzulassen, da ich doch weiß, wie verzweifelt sie sind?“

„Zum Teufel, warum bist du so überzeugt, daß du einen Anfall bekommen wirst? Machst du dich etwa über mich lustig?“

„Wie sollte ich wohl wagen, über Euch zu lachen, und ist denn einem nach Lachen zumut, wenn man solche Angst hat? Ich fühle es voraus, daß ich einen Anfall bekommen werde, habe solch ein Vorgefühl, von bloßer Angst werde ich ihn bekommen.“

„Äh, Teufel! Wenn du krank bist, wird Grigorij wachen. Bereite ihn darauf vor, der wird dich schon gut ersetzen.“

„Von den Zeichen darf ich Grigorij Wassiljewitsch ohne ausdrücklichen Befehl des Herrn unter keinen Umständen etwas sagen. Und was Ihr sagt: von mich ersetzen, so hat er sich akkurat heute erkältet, und Marfa Ignatjewna will ihn alsomit morgen gewaltig kurieren. Sie haben es vorhin beide besprochen. Und dieses Kurieren ist sehr knifflich: Marfa Ignatjewna hat solch einen Salzbranntweinaufguß mit Kräutern, deren sämtliche Wirkungen sie kennt, und mit dieser Geschichte wird Grigorij Wassiljewitsch dreimal im Jahr kuriert, wenn er nämlich kreuzlahm wird. Dann nehmen sie ein grobes Handtuch, tunken es in diesen Kräuteraufguß, und dann reibt Marfa Ignatjewna eine halbe Stunde lang Grigorijs Rücken, so daß selbiger ganz rot wird und anschwillt. Und darauf gibt sie ihm den Rest mit einem gewissen Gebet zu trinken, aber nicht alles, etwas behält sie noch für sich zurück, das sie dann selber austrinkt. Und alsomit legen sich beide schlafen und schlafen lange und gewaltig fest. Und am nächsten Morgen ist Grigorij Wassiljewitsch immer gesund, Marfa Ignatjewna aber hat immer nachher Kopfschmerzen. Alsomit wird Grigorij Wassiljewitsch morgen, wenn Marfa Ignatjewna ihr Vorhaben ausführt, nichts hören, und so kann denn auch von einem Dmitrij Fedorowitsch nicht Einlassen gar keine Rede sein. Schlafen wird er.“

„Welch ein Blödsinn!“ schrie ihn Iwan Fedorowitsch zornig an. „Das trifft ja alles wie absichtlich zusammen: Du bewußtlos nach dem epileptischen Anfall und Grigorij und Marfa in festem Schlaf! – Oder steckst du vielleicht dahinter, daß sich alles so vorzüglich trifft?“, stieß er plötzlich kurz hervor und zog drohend die Brauen zusammen.

„Wie soll ich dahinter stecken ... und wozu sollte ich das zu tun versuchen, wenn doch hier alles nur von Dmitrij Fedorowitsch abhängt und von ihren Absichten ... Wollen sie was anstiften, so wird es alsomit auch geschehen, wenn hinwiederum nicht, so werde doch ich nicht absichtlich sie herrufen, um sie zu ihrem Erzeuger hineinzuschicken.“

„Aber warum soll er denn zum Vater kommen, und dazu noch heimlich, wenn Agrafena Alexandrowna, wie du selbst sagst, überhaupt nicht kommen wird?“ fuhr Iwan Fedorowitsch, bleich vor Wut, fort. „Du sagst doch selbst, daß sie nicht zu ihm kommen will, und auch ich war die ganze Zeit über, die ich hier verbracht habe, überzeugt, daß der Alte nur phantasiert, und daß dieses Geschöpf nie zu ihm kommen wird. Warum nun soll sich Dmitrij mittels dieser Zeichen zum Alten hineinschleichen wollen? Sprich! Ich will deine Gedanken wissen!“