„Was ist denn mit dir passiert?“ fuhr er verwundert fort zu fragen.
Aber seine Verwunderung machte auf seinem Gesichte bald einem Lächeln Platz, das immer spöttischer wurde.
„So hör doch, ich suche dich bereits seit zwei Stunden. Du warst dort plötzlich verduftet. Aber was tust du denn hier? Was machst du für heilige Dummheiten? Sieh mich doch wenigstens an ...“
Aljoscha erhob seinen Kopf, setzte sich auf und lehnte sich mit dem Rücken an den Baumstamm. Er weinte nicht, doch sein Gesicht drückte Leiden aus, und seinen Augen sah man die Erregung an, in der er sich befand. Er sah übrigens nicht zu Rakitin auf, sondern blickte zur Seite.
„Hör mal, dein Gesicht hat sich ja ganz verändert. Von deiner berühmten früheren Engelskeuschheit ist nichts mehr zu sehen. Hast dich wohl über irgend jemanden geärgert, nicht? Hat man dich etwa gekränkt?“
„Laß mich!“ sagte Aljoscha plötzlich, vermied es aber, ihn anzusehen und winkte nur müde mit der Hand ab.
„Oho, also so sind wir! Man fängt also schon wie die übrigen Sterblichen an, anzuschnauzen. Und das soll ein Ebenbild der Engel sein! Nun, Aljoschka, du hast mich aber in Erstaunen gesetzt, das laß dir gesagt sein! Ich spreche jetzt aufrichtig. Schon lange wundere ich mich hier über nichts mehr. Übrigens habe ich dich doch immer für einen gebildeten Menschen gehalten ...“
Endlich sah ihn Aljoscha an, tat es aber so zerstreut, als ob er ihn gar nicht verstanden hätte.
„Bist du denn wirklich darum so, weil dein Alter stinkt? Glaubtest du denn im Ernst, daß er alte Wunder wieder auffrischen werde?“ fragte Rakitin, in immer größere Verwunderung geratend.
„Ich glaubte, glaube, will glauben und werde glauben und was willst du noch?“ fragte Aljoscha, gereizt auffahrend.