„Das kann ich nicht wissen, Täubchen, das wird von Euch abhängen, denn Ihr seid doch bei uns, wie ... Seht, Herr, als Gottes Sohn ans Kreuz geschlagen war und starb, da ging er vom Kreuz schnurstracks in die Hölle und befreite alle Sünder, die sich dort quälten. Und da ächzte die Hölle, weil, wie sie glaubte, hinfort niemand mehr hinkommen werde, also keine Sünder mehr. Und da sagte der Herr zur Hölle: ‚Ächze nicht, Hölle, denn es werden hinfort viele Reiche und Herrscher und Richter und Mächtige und Würdenträger zu dir kommen, und du wirst hinfort wiederum genau so gefüllt sein, wie du es von Ewigkeit warst, bis daß ich wiederkomme.‘ Und das ist wahr, das hat der Herr genau so gesagt ...“
„Eine Volkslegende, prachtvoll! Zieh dem Linken eins über, Andrei!“
„Das ist schon so, Herr, für wen die Hölle bestimmt ist,“ – Andrei zog dem Linken eins über – „der kommt hinein, und was für welche hineinkommen, das hat der Herr damals der Hölle vorausgesagt. Aber Ihr seid doch für mich wie ein klein Kindchen ... so kommt Ihr mir immer vor ... Und wenn der Herr auch jähzornig ist, das ist wohl wahr, so wird doch Gott Euch für Euer gutes Herz vergeben.“
„Und du, vergibst du mir, Andrei?“
„Was habe ich Euch denn zu vergeben, Herr, Ihr habt mir doch nichts Schlechtes getan.“
„Nein, für alle, für alle du allein, jetzt gleich, sofort, hier im Wagen, auf der Fahrt, vergibst du mir für alle? Sprich, du Volksseele!“
„Ach Herr! Es wird einem ganz bange, Euch zu fahren. Eure Worte sind heute ganz wunderlich ...“
Mitjä hörte nicht, was Andrei brummte. Er betete wie wahnsinnig und flüsterte angstvoll vor sich hin.
„Vater unser, nimm mich in meiner ganzen Gottlosigkeit, aber richte mich nicht! Ruf mich nicht vor deinen Richterstuhl, laß mich ohne Gericht vorübergehn ... Richte mich nicht, denn ich habe mich selbst gerichtet. Richte mich nicht, denn ich liebe Dich, Herr! Niedrig bin ich, aber ich liebe Dich; schickst Du mich in die Hölle, so werde ich Dich auch dort lieben, werde auch von dort zu Dir emporschreien, daß ich Dich ewig, ewig liebe ... Doch laß auch mich zu Ende lieben ... jetzt hier zu Ende lieben, nur noch fünf Stunden bis zum ersten warmen Strahl Deines Lichts ... Denn ich liebe die Königin meiner Seele! Ich liebe sie, und ich kann nicht anders als sie lieben. Du siehst mich doch ganz, Du kennst mich ganz, Du weißt doch, wie ich bin! Richte mich nicht, ich habe mich schon gerichtet; ich werde vor ihr niederstürzen und sagen: Es war recht von dir, daß du an mir vorübergingst ... Lebe wohl und vergiß dein Opfer, beunruhige dich niemals meinetwegen!“