Im bleichen Dunkel der Sternennacht hoben sich vor ihnen schwarze, kleine Häusermassen aus der Erde empor; stellenweise lagen sie dichter, stellenweise verstreuter. Das Dorf Mokroje zählte etwa zweitausend Einwohner. Zu dieser Stunde lag es schon in tiefem Schlaf, nur hier und da blitzten noch ein paar bescheidene Lichter durch die Nacht.

„Jage, jage, Andrei, ich komme angefahren!“ rief Mitjä wie im Fieber.

„Sie schlafen noch nicht!“ sagte Andrei, und wies mit der Peitsche auf das Plastunoffsche Haus, das gleich bei der Einfahrt ins Dorf lag, und dessen sechs Fenster, die auf die Straße sahen, hell erleuchtet waren.

„Sie schlafen nicht!“ griff Mitjä jubelnd auf. „Jage, Andrei, galoppiere, fahre donnernd vor! Damit sie hören, wer angefahren kommt! Ich! Ich komme angefahren!“ rief Mitjä atemlos, außer sich.

Andrei setzte seine dampfende, abgejagte Troika in Galopp und jagte tatsächlich donnernd zur Vorfahrt. Mitjä sprang vom Wagen. Der Hauswirt war schon im Begriff gewesen, schlafen zu gehen, doch hatte er plötzlich von ferne das Wagenrollen vernommen und war daher neugierig auf die Treppe hinausgetreten, um zu sehen, wer zu so später Stunde so wild daher jagte.

„Trifon Borissytsch, bist du es?“ fragte Mitjä.

Trifon Borissytsch beugte sich vor, blickte angestrengt durch das Dunkel und eilte dann geschwind in unterwürfigem Entzücken die Treppe hinab, dem Gaste entgegen.

„Väterchen, Dmitrij Fedorowitsch! Seid Ihr es wirklich, den wir sehen?“

Dieser Trifon Borissytsch war ein starkgebauter und gesunder Mann, mittelgroß, mit einem etwas dicken Gesicht, das gewöhnlich eine strenge und wichtige Miene annahm, besonders im Verkehr mit den Mokrojaner Bauern, doch dafür die Fähigkeit besaß, den Ausdruck ganz unverhofft schnell in das Gegenteil zu verwandeln, sobald Trifon Borissytsch einen Verdienst witterte. Gekleidet war er stets auf russische Bauernart: er trug ein russisches Hemd mit seitlichem Schluß und ein ärmelloses Wams. Er besaß bereits ein bedeutendes Kapital, doch hatte er noch viel höhere Ziele im Sinn. Ungefähr die Hälfte der Mokrojaner Bauern schuldete ihm. Er aber ließ von ihnen auf Grund ihrer Schulden, von denen sie sich nie befreien konnten, sein Land, das er von Gutsbesitzern pachtete oder auch kaufte, unentgeltlich bearbeiten. Er war Witwer und hatte vier erwachsene Töchter; die eine von ihnen war schon Witwe, lebte daher mit ihren zwei kleinen Kindern, seinen Enkeln, bei ihm, und arbeitete für ihn wie eine Tagelöhnerin. Die zweite Tochter hatte einen kleinen Beamten, irgendeinen aufgedienten Schreiber geheiratet, und in einem der Zimmer des Absteigequartiers hing unter den Familienbildern auch die Miniaturphotographie dieses Beamten in Uniform und mit Achselklappen. Die beiden jüngeren Töchter zogen sich zu Kirchenfesten, oder wenn sie zu Besuch gingen, hellblaue oder hellgrüne Kleider an, die nach französischer Mode genäht waren: Kleider mit langen Schleppen und gerafften Taillen und Röcken. Doch das hinderte nicht, daß sie am nächsten Morgen wie auch an Werktagen beim ersten Hahnenschrei aufstanden, mit Birkenbesen die Zimmer ausfegten, das Waschwasser hinaustrugen und die Betten machten. Trifon Borissytsch aber liebte es noch trotz der bereits erworbenen Tausende von leutseligen Gästen ein Überflüssiges zu nehmen, und da er von Dmitrij Fedorowitsch vor kaum einem Monat zwei-, wenn nicht ganze dreihundert Rubel verdient hatte, so begrüßte er ihn natürlich hocherfreut, – glaubte er doch schon in der Art, wie der Gast angefahren kam, eine Gewähr für guten Verdienst zu sehen.

„Väterchen Dmitrij Fedorowitsch, können wir Euch wieder beherbergen?“