„Ich bin ja schon betrunken! Auch so schon trunken ... trunken von dir, jetzt aber will ich es auch noch vom Weine werden.“

Er stürzte noch ein Glas hinab und – es schien ihm selbst sonderbar – erst von diesem Glase wurde er betrunken, ganz plötzlich, bis dahin war er immer noch nüchtern gewesen. Das fühlte er jetzt deutlich, da er wirklich betrunken wurde. Von diesem Augenblicke an begann alles sich vor ihm wie im Rausch zu drehen. Er ging, lachte, sprach mit allen und tat es doch, wie ohne zu wissen, was er tat. Nur ein einziges, unbewegliches, brennendes Gefühl trug er fortwährend mit sich herum, „ganz wie eine glühende Kohle“, sagte er später. Er trat zu ihr, setzte sich neben sie hin, blickte sie an, hörte ihr zu ... Sie aber wurde ungemein gesprächig: rief alle zu sich heran, winkte plötzlich auch ein Chormädchen zu sich, und wenn die dann zu ihr kam, küßte sie sie oder machte mit der Hand das Zeichen des Kreuzes über sie. Vielleicht fehlte nur noch etwas, und sie wäre in Tränen ausgebrochen. Am meisten belustigte sie Maximoff. Der kam immer wieder zu ihr gelaufen, um ihr die Hand „und jedes Fingerchen“, wie er sagte, zu küssen, und zum Schlusse tanzte er noch zu einem alten Liede, das er selbst sang, einen Volkstanz. Mit besonderer Liebe trug er vor:

„Schweinchen macht chruchru, chruchru,

Kälbchen macht mumu, mumu,

Entlein macht quaqua, quaqua,

Gänschen macht gaga, gaga.

Doch Spätzchen ging auf frischem Heu spazieren,

Konnte nur zipzirrip, zipzirrip tirillieren,

Zipzirrip, zipzirrip tirillieren!“

„Gib ihm etwas, Mitjä,“ sagte Gruschenka, „schenk ihm etwas, er ist doch arm. Ach ihr Armen, Erniedrigten! ... Weißt du, Mitjä, ich werde ins Kloster gehen. Nein, im Ernst, einmal werde ich ins Kloster gehen. Aljoscha hat mir heute Worte fürs ganze Leben gesagt ... Ja ... Heute aber wollen wir noch tanzen. Morgen ins Kloster, heute aber noch getanzt. Ich will ausgelassen sein, ihr Guten. Nun, und was ist denn dabei? Gott wird es verzeihen. Wenn ich Gott wäre, würde ich allen Menschen vergeben. ‚Ihr meine lieben, kleinen Sünder,‘ würde ich sagen, ‚von heute ab vergebe ich euch allen.‘ Und ich werde um Verzeihung bitten. ‚Vergebt, ihr guten Leute, einem dummen Weibe.‘ Ja, genau so. ‚Ein Tier bin ich, ja, das bin ich.‘ Beten will ich. Ich habe im ganzen nur ein Zwiebelchen gegeben. Ja, ein Scheusal wie ich will beten. Mitjä, laß sie tanzen, störe sie nicht. Alle Menschen auf der Welt sind gut, alle bis auf den letzten. Es ist schön, in der Welt zu leben. Wenn wir auch schlecht sind, es ist doch schön auf der Welt. Schlecht und gut sind wir, schlecht und gut ... Nein, sagt mir, ich frage euch, kommt alle her, ich frage euch, sagt mir alle folgendes: Warum bin ich so gut? Ich bin doch gut – bin sehr gut ... Nun, darum also: Warum bin ich so gut?“