„Beruhigen Sie sich, Dmitrij Fedorowitsch,“ – damit erinnerte ihn der Untersuchungsrichter an seine Aufführung und wollte offenbar durch die eigene Ruhe die Erregung des anderen besänftigen. „Bevor wir das Verhör fortsetzen, würde ich, vorausgesetzt, daß Sie einwilligen zu antworten, gerne nochmals von Ihnen die Bestätigung der Tatsache vernehmen wollen, daß Sie den verstorbenen Fedor Pawlowitsch, wie es scheint, nicht geliebt und mit ihm fortgesetzt Streit gehabt haben ... Wenigstens haben Sie hier vor ungefähr einer Viertelstunde, wenn ich mich nicht täusche, selbst etwas Derartiges geäußert: daß Sie sogar die Absicht gehabt hätten, ihn zu erschlagen. ‚Ich habe ihn nicht erschlagen, aber ich wollte ihn erschlagen!‘ riefen Sie aus, soviel ich mich dessen erinnere.“
„Ich soll das ausgerufen haben? Nun ja, das kann sehr wohl sein! Meine Herren, allerdings, zum Unglück wollte ich ihn erschlagen, sogar mehreremal habe ich es gewollt ... zum Unglück, leider!“
„Also, Sie wollten es. Würden Sie nicht auch bereit sein, uns zu erklären, welches die Ursachen Ihres Hasses auf Ihren Vater waren?“
„Was ist da zu erklären, meine Herren!“ sagte Mitjä mit finsterem Gesicht, zuckte mit der einen Schulter und senkte den Blick zu Boden. „Ich habe doch meine Gefühle wahrlich nicht verborgen, die ganze Stadt spricht ja davon, – alle Menschen im Gasthause haben es gehört. Noch vor ein paar Tagen habe ich es im Kloster, in der Zelle des Staretz Sossima erklärt ... Und am Abend desselben Tages habe ich den Vater noch verprügelt und beinahe totgeprügelt, und dann noch geschworen, wiederzukommen und ihn ganz zu erschlagen, und alles in Gegenwart von Zeugen ... Oh, Zeugen gibt es zu Tausenden! Habe ich doch den ganzen Monat zu allen davon gesprochen, alle sind Zeugen! ... Die Tatsache liegt ja auf der Hand, die Tatsache spricht, schreit, aber – die Gefühle, meine Herren, die Gefühle, um die es sich dabei handelt, die sind etwas anderes. Sehen Sie, meine Herren“ (Mitjäs Gesicht verfinsterte sich), „ich glaube, daß Sie nicht berechtigt sind, mich nach meinen Gefühlen zu fragen. Für Sie bin ich natürlich überführt, ich begreife das sehr gut, aber das – das geht nur mich etwas an, das ist meine Sache, meine innere, intime Angelegenheit, jedoch ... da ich auch früher schon meine Gefühle nicht verheimlicht habe ... im Gasthause zum Beispiel, und allen und jedem davon gesprochen habe, so ... so werde ich auch jetzt kein Geheimnis daraus machen ... Sehen Sie, meine Herren, ich begreife sehr gut, daß in diesem Falle schwere Beweise gegen mich vorliegen: ich habe allen gesagt, daß ich ihn totschlagen werde, und plötzlich ist er erschlagen: wer soll es nun getan haben, wenn nicht ich? Ha – ha! Ich entschuldige Sie, meine Herren, ich entschuldige Sie vollkommen. Bin ich doch selbst ganz betroffen, denn wer kann ihn schließlich in diesem Falle erschlagen haben, wenn nicht ich? So verhält es sich doch, nicht wahr? Wenn ich es nicht getan habe, wer dann, wer dann? Meine Herren,“ rief er plötzlich unruhig, „ich will es wissen, ich verlange von Ihnen, daß Sie mir sagen, meine Herren: Wo ist er erschlagen worden? Wie erschlagen, womit und wie? Sagen Sie es mir!“
Sein fragender Blick ging zwischen dem Staatsanwalt und dem Untersuchungsrichter hin und her.
„Wir fanden ihn auf dem Fußboden seines Schlafzimmers ausgestreckt auf dem Rücken liegen. Die Schädeldecke war eingeschlagen,“ sagte der Staatsanwalt.
„Grauenvoll!“ Mitjä fuhr plötzlich zusammen und bedeckte das Gesicht, den Arm auf den Tisch stützend, mit der rechten Hand.
„Wir fahren also fort im Verhör,“ begann wieder der Untersuchungsrichter. „Also: Was war die Ursache Ihres Hasses auf Fedor Pawlowitsch? Ich glaube, Sie haben öffentlich gesagt, daß es Eifersucht gewesen sei?“
„Nun ja, Eifersucht, und nicht nur Eifersucht allein.“
„Und Streit wegen Geld?“