Der Staatsanwalt schluckte wortlos alle Pillen hinunter, er zitterte nur vor Ungeduld, diese neue Tatsache zu erfahren. Mitjä erzählte umständlich von den Zeichen und setzte alles genau auseinander, was damit irgendwie in Verbindung stand. Er sagte, daß Fedor Pawlowitsch sie sich für Ssmerdjäkoff ausgedacht hatte, er erklärte ihnen, was das erste Zeichen bedeuten sollte, klopfte sogar die Zeichen auf dem Tisch vor, und auf die Frage des Untersuchungsrichters, ob denn auch er, Mitjä, an das Fenster des Vaters das Zeichen „Gruschenka ist gekommen“, geklopft habe, antwortete er mit fester Stimme, daß er geradeso geklopft habe, so nämlich: tuck-tuck ... tuck-tuck-tuck, – was bedeutete: „Gruschenka ist gekommen“.
„So, jetzt denken Sie sich was Schönes zusammen!“ brach Mitjä kurz ab und wandte sich wieder mit unverhohlener Verachtung von ihnen ab.
„Und um diese Zeichen wußten nur Ihr verstorbener Vater, Sie und der Diener Ssmerdjäkoff? Und sonst niemand?“ erkundigte sich noch einmal der Untersuchungsrichter.
„Ja, der Diener Ssmerdjäkoff und dann noch der Himmel. Schreiben Sie auch den Himmel auf; das wird nicht überflüssig sein; und auch Ihnen wird Gott noch zustatten kommen.“
Natürlich begann wieder das Schreiben, doch als man damit fertig war, fragte der Staatsanwalt unvermittelt, als ob ihm ganz plötzlich ein neuer Gedanke gekommen wäre:
„Aber wenn um diese Zeichen auch Ssmerdjäkoff gewußt hat und Sie auf das bestimmteste jede Schuld am Tode Ihres Vaters von sich weisen, so fragt sich doch, ob nicht er durch das verabredete Zeichen Ihren Vater veranlaßt hat, ihm die Tür aufzumachen und dann also ... ob nicht Ssmerdjäkoff den Mord verübt hat?“
Mitjä blickte mit unsäglich spöttischem, doch zu gleicher Zeit auch sprühend haßerfülltem Blick dem Staatsanwalt in die Augen. Lange und wortlos sah er ihn so an, bis schließlich der Staatsanwalt zu blinzeln begann.
„Da haben Sie wieder den Fuchs gefangen!“ sagte Mitjä, endlich das Schweigen brechend, „und dem schlauen Tier den Schwanz eingeklemmt, haha! Ich durchschaue Sie vortrefflich, Herr Staatsanwalt. Sie glaubten wohl, daß ich sofort aufspringen und mich an das klammern werde, was Sie mir vorgesagt haben, daß ich sofort losschreien werde: ‚Ah, richtig, Ssmerdjäkoff, das ist der Mörder!‘ Gestehen Sie nur, daß Sie gerade etwas in der Art erwartet haben, gestehen Sie es, dann werde ich fortfahren.“
Doch der Staatsanwalt gestand nichts. Er schwieg und wartete.
„Sie haben sich verrechnet, ich werde nicht Ssmerdjäkoff beschuldigen!“ sagte Mitjä.