„Nicht?“
„Sie war sogar verschlossen, und wer konnte sie denn öffnen? Warten Sie, – die Tür!“ rief er plötzlich, gleichsam sich besinnend und fast zusammenzuckend, „– haben Sie die Tür denn etwa offen vorgefunden?“
„Ja, offen.“
„Aber wer hat sie denn öffnen können, wenn Sie es nicht selbst getan haben?“ fragte Mitjä höchst verwundert.
„Die Tür stand weit offen, und der Mörder Ihres Vaters ist zweifellos durch diese Tür eingedrungen, und nachdem er ihn ermordet hatte, wieder durch dieselbe Tür hinausgegangen,“ sagte langsam und deutlich der Staatsanwalt, indem er jede Silbe gleichsam einzeln aussprach. „Das ist uns vollkommen klar. Der Mord ist ganz augenscheinlich im Zimmer verübt worden, und nicht durch das Fenster, was vollkommen deutlich aus der Lokalinspektion hervorgeht, aus der Lage des Körpers und aus allem. Über diesen Punkt kann kein Zweifel bestehen.“
Mitjä war unglaublich betroffen.
„Aber das ist doch unmöglich, meine Herren!“ rief er ganz aus der Fassung gebracht, „ich ... ich bin nicht hineingegangen ... ich, bestimmt, ich versichere Sie, die Tür war die ganze Zeit, während der ich im Garten war, und als ich aus dem Garten hinauslief, verschlossen. Ich stand nur unter dem Fenster, und das war alles, alles ... Ich erinnere mich dessen haarscharf bis zum letzten Augenblick. Und selbst wenn ich mich nicht genau erinnern würde, so weiß ich doch genau, daß das unmöglich ist, denn die Zeichen waren doch nur mir, Ssmerdjäkoff und ihm, dem Toten, bekannt, und ohne diese Zeichen hätte er niemandem auf der Welt die Tür aufgemacht.“
„Zeichen? Was sind denn das für Zeichen?“ fragte sogleich mit gieriger, fast krampfhafter Neugier der Staatsanwalt. Er hatte plötzlich seine ganze gemessene Zurückhaltung verloren.
Er fragte, als wenn er sich vorsichtig heranschleichen wollte. Er witterte eine wichtige Tatsache, die ihm noch unbekannt war, und sofort empfand er auch die größte Angst, Mitjä könnte sie ihm vielleicht nicht ganz aufdecken wollen.
„Ah – ah, und Sie wußten das nicht einmal?“ fragte Mitjä und blinzelte ihm mit mokantem Lächeln spöttisch boshaft zu. „Wenn ich das nun nicht sage? Von wem soll man das dann erfahren? Von diesen Zeichen wußten doch nur der Verstorbene, ich und Ssmerdjäkoff, das sind alle, die was davon wußten, – und noch der Himmel wußte es, aber der wird es Ihnen doch nicht sagen. Und doch – wie interessant ist dieses Pünktchen! Weiß der Teufel, was man noch alles darauf gründen könnte, ha – ha! Beruhigen Sie sich, meine Herren, ich werde es Ihnen sagen. Sie denken sich da sonst wieder Dummheiten zusammen. Überhaupt, Sie wissen gar nicht, mit wem Sie zu tun haben! Sie, meine Herren, haben es mit einem Angeklagten zu tun, der freiwillig gegen sich selbst aussagt, der zu seinem eigenen Nachteil aussagt! Ja, das ist so, denn ich bin ein Mensch von Ehre, Sie aber – sind es nicht!“