„Ja, nach unserer Meinung,“ bestätigte der Untersuchungsrichter, „nun, und nach Ihrer?“
Mitjä senkte den Blick und schwieg lange.
„Nach meiner Meinung, meine Herren, meiner Meinung nach war es so,“ sagte er leise. „Waren es jemandes Tränen, war es ein Gebet meiner Mutter zu Gott, oder umschwebte mich ein lichter Geist in jenem Augenblick – ich weiß es nicht, aber der Teufel war niedergerungen. Ich stürzte fort vom Fenster und lief zum Zaun ... Mein Vater erschrak, denn da erst bemerkte er mich: er schrie auf und sprang zurück vom Fenster, – das weiß ich noch ganz genau. Ich aber lief durch den Garten zum Zaun ... und dort war es, wo Grigorij mich einholte und mich am Bein ergriff, als ich schon auf dem Zaun saß ...“
Mitjä erhob endlich den Blick zu seinen Zuhörern. Es schien, daß diese ihn mit der ruhigsten Aufmerksamkeit betrachteten. Da war es Mitjä, als krampfte sich seine Seele vor Unwillen zusammen.
„Aber Sie, meine Herren, Sie machen sich ja jetzt nur lustig über mich!“ unterbrach er sich.
„Wie kommen Sie darauf?“ fragte der Untersuchungsrichter.
„Weil Sie mir kein Wort davon glauben, darum! Ich begreife doch, daß das der Hauptpunkt ist, zu dem ich gekommen bin: mein Vater liegt jetzt dort mit eingeschlagenem Schädel, und ich, – nachdem ich so tragisch geschildert habe, wie ich ihn erschlagen wollte und schon die Mörserkeule herausriß, – ich laufe plötzlich fort vom Fenster ... Das ist doch eine Dichtung! In Versen sogar! Da kann man jedes Wort dem braven Jungen glauben! Haha! Spötter sind Sie, meine Herren!“
Und er drehte sich mit dem ganzen Körper auf dem Stuhl herum, so daß der Stuhl in den Fugen krachte.
„Aber haben Sie vielleicht bemerkt,“ fragte plötzlich der Staatsanwalt, als ob er Mitjäs Aufregung weiter gar nicht beachtete, „haben Sie es nicht zufällig bemerkt, als Sie vom Fenster zum Zaun liefen: war die Tür, die am anderen Ende der Gartenfassade des Hauses liegt, offen oder geschlossen?“