„Nein, nicht grundlos, meine Herren, nicht grundlos!“ Er brauste wieder auf, doch hatte er durch den Ausbruch des plötzlichen Zornes sein Herz erleichtert, und so wurde er jetzt mit jedem Wort wieder ruhiger und gutmütiger. „Sie können einem Verbrecher oder Verurteilten, den Sie mit Ihren Fragen foltern, meinetwegen nicht glauben, aber an dem edelmütigsten Menschen, meine Herren, an dem edelsten Aufschwung der Seele – das sage ich dreist! – nein! an dem dürfen Sie nicht zweifeln ... dazu haben Sie kein Recht ... aber –

‚Trage dein Leid, mein Herz,

Ergib dich und schweige!‘

Nun, was, – soll ich fortfahren?“ brach er finster ab.

„Bitte, haben Sie die Güte,“ antwortete der Untersuchungsrichter.

V.
Das dritte Purgatorium

Mitjä sprach zwar in rauhem Tone und mürrisch, doch bemühte er sich augenscheinlich, nicht das geringste zu vergessen, vielmehr alles bis ins kleinste wiederzugeben. Er erzählte, wie er über den Zaun in den Garten des Vaters hinabgesprungen war, wie er sich zum Fenster geschlichen, und was er dort gesehen hatte. Klar, bestimmt, als wolle er jedes Wort prägen, sprach er von seinen Gefühlen, die ihn in jenen Augenblicken im Garten erregt hatten, als er so krampfhaft erfahren wollte, ob Gruschenka beim Vater war oder nicht. Doch sonderbar, sowohl der Staatsanwalt wie der Untersuchungsrichter hörten ihm diesmal mit einer auffallenden Zurückhaltung zu, blickten ihn trocken an und stellten viel weniger Fragen. „Scheinen sich geärgert zu haben und gekränkt zu sein,“ dachte Mitjä, „ach nun, hol sie der Teufel!“ Als er erzählte, wie er sich entschlossen hatte, dem Vater das Zeichen zu geben, daß Gruschenka gekommen sei, um sich zu vergewissern, ob er allein war, und wie der Alte das Fenster geöffnet hatte, da beachtete keiner von den Juristen das Wort „Zeichen“, als ob sie überhaupt nicht verstanden hätten, welche Bedeutung dieses Wort hatte, so daß es selbst Mitjä auffiel. Als er dann schließlich zu dem Augenblick kam, wie er beim Anblick des beleuchteten Profils seines Vaters den Haß in sich auflodern gefühlt und die Mörserkeule aus der Tasche gerissen hatte, da hielt er plötzlich wie absichtlich inne. Er saß und blickte zur Wand und wußte, daß die anderen mit ihren Blicken gleichsam wie gebannt an ihm hingen.

„Nun, und?“ fragte der Untersuchungsrichter, „Sie rissen die Waffe heraus und ... was geschah darauf?“

„Was darauf geschah? Und darauf erschlug ich ihn – zielte genau auf den Scheitel und schlug ihm den Schädel ein ... So muß es doch gewesen sein, nach Ihrer Meinung, nicht wahr?“

Sein ganzer Zorn, der sich bereits besänftigt hatte, erhob sich im Augenblick wieder mit überwältigender Macht.