„Geben Sie mir meine! – zum Teufel mit Kalganoff und seinen Kleidern, und er selbst voran!“

Man mußte ihm lange zureden. Schließlich beruhigte er sich ein wenig. Man erklärte ihm, daß seine Kleider, da sie mit Blut befleckt waren, als Beweisstücke zurückbehalten werden mußten, daß man also nicht einmal das Recht hätte, ihm seine Kleider wiederzugeben – „im Hinblick auf den möglichen Ausgang der Sache“, was Mitjä denn auch zu guter Letzt halbwegs einsah. Er verstummte finster und überwand sich allmählich so weit, daß er sich ankleidete. Er bemerkte nur beim Anziehn der Kleider, daß sie teurer waren als seine alten Kleider, und er sagte, daß er sich nicht wolle „gnädig beschenken lassen“. Außerdem seien sie „beleidigend eng“. „Soll ich etwa eine Vogelscheuche in ihnen spielen ... zu Ihrem Ergötzen?“

Ihm wurde wieder zugeredet, daß es durchaus nicht so schlimm sei, daß er auch hierin wieder übertreibe, daß Herr Kalganoff zwar von Wuchs ein wenig größer sei, aber, wie gesagt, eben nur ein wenig, und daß höchstens die Beinkleider vielleicht etwas zu lang wären. Der Rock aber war in den Schultern tatsächlich zu eng.

„Teufel, man kann ihn ja kaum zuknöpfen,“ brummte Mitjä wütend. „Haben Sie die Güte, und lassen Sie Herrn Kalganoff unverzüglich sagen, daß nicht ich ihn um seine Kleider gebeten habe ... daß ich gegen meinen Willen zur Vogelscheuche aufgeputzt werde.“

„Herr Kalganoff begreift das sehr gut und bedauert ... das heißt, nicht seine Kleider bedauert er, sondern diesen ganzen Vorfall,“ sagte Neljudoff, nachlässig die Worte brummend.

„Er kann sich selbst bedauern! – Nun, wohin jetzt? Oder soll ich immer noch hier sitzen?“

Man bat ihn, wieder „in jenes Zimmer“ zu kommen. Mitjä trat finster vor Ärger hinter dem Vorhange hervor und bemühte sich, niemanden anzusehen. In den fremden Kleidern fühlte er sich wie beschimpft, sogar vor diesen Bauern, vor dem Dorfschulzen und diesem Trifon Borissytsch, dessen Gesicht flüchtig an der Tür auftauchte und verschwand. „Der wollte mich wohl in den neuen Kleidern sehen,“ dachte Mitjä. Er setzte sich auf seinen früheren Platz. Es kam ihm alles wie ein Albdruck, wie etwas ganz Ungereimtes vor, und er glaubte einen Augenblick, den Verstand verloren zu haben.

„Nun, was kommt jetzt? – Rutenhiebe sind ja das einzige, was gerade noch fehlte ...,“ sagte er, innerlich wutknirschend, zum Staatsanwalt.

An den Untersuchungsrichter wollte er sich überhaupt nicht mehr wenden, und er tat absichtlich, als hielte er es unter seiner Würde, mit ihm noch zu sprechen. „Der Kerl hat meine Socken betrachtet, als wäre er blind, und der Schuft hat noch absichtlich befohlen, die Socken umzukehren, um allen zu zeigen, was für unsaubere Wäsche ich habe.“

„Jetzt werden wir wohl zum Verhör der Zeugen übergehen müssen,“ sagte der Untersuchungsrichter, gleichsam als Antwort auf Mitjäs Frage.