„Das heißt, durchaus nicht lächerlich, das war eine falsche Bemerkung von dir. In der Natur gibt es nichts Lächerliches, obwohl manches dem Menschen mit seinen Vorurteilen auch lächerlich erscheinen mag. Wenn Hunde denken und kritisieren könnten, so würden sie in den sozialen Beziehungen der Menschen, ihrer Herren, ebensoviel, wenn nicht noch mehr, für sie Lächerliches finden, – sogar sehr viel mehr. Ich wiederhole das nur darum, weil ich fest überzeugt bin, daß es bei uns tatsächlich noch viel mehr Dummheiten gibt. Das ist, nebenbei bemerkt, ein Ausspruch von Rakitin, ein sehr bemerkenswerter sogar. Ich bin Sozialist, Ssmuroff.“

„Was ist das?“ fragte Ssmuroff naiv.

„Das ist, wenn alle gleich sind, alle sind dann einer Meinung, es gibt keine Ehen, und die Religion und alle Gesetze sind dann so, wie es jedem beliebt, nun und so weiter alles übrige. Du bist noch nicht reif dazu, für dich ist das noch zu früh ... Aber es ist heut doch gehörig kalt.“

„Ja. Zwölf Grad. Papa sah vorhin nach dem Thermometer.“

„Hast du nicht bemerkt, Ssmuroff, daß es mitten im Winter, selbst wenn es fünfzehn oder achtzehn Grad sind, gar nicht so kalt ist, wie zum Beispiel jetzt, zu Anfang des Winters bei zwölf, wenn die Kälte ganz plötzlich einsetzt und noch wenig Schnee gefallen ist? Das bedeutet, daß die Menschen sich noch nicht an die Kälte gewöhnt haben. Bei den Menschen kommt alles auf Gewohnheit an. Selbst in den staatlichen und politischen Beziehungen. Gewohnheit ist bei ihnen die erste und größte Triebfeder. Sieh doch, was das für ein komischer Kauz ist!“

Koljä wies auf einen langen Bauer im Pelz, der neben seiner Fuhre stand und vor Kälte die behandschuhten Hände zusammenschlug. Sein langer blonder Bart, der sein sympathisches Gesicht umrahmte, war vom Frost ganz bereift.

„Dieser Bauer hat einen ganz bereiften Bart!“ sagte Koljä laut, als er an ihm vorüberging.

„Viele haben heute einen bereiften Bart,“ sagte ruhig und wohlbedacht der Bauer.

„So reiz ihn doch nicht,“ bat Ssmuroff leise Krassotkin.

„Macht nichts, er wird sich nicht ärgern, er ist ein braver Mann. – Leb wohl, Matwei.“