„Zum Unglück fühle ich mich wirklich fast verpflichtet, zu diesem verfluchten Mittagsmahl zu gehen,“ fuhr Miussoff mit derselben Gereiztheit bitter fort, ohne weiter zu beachten, daß der kleine Mönch dabei war und alles hörte. „Man muß dort wenigstens seine Entschuldigung machen wegen der Geschichten, die wir hier angerichtet haben, und erklären, daß nicht wir es gewesen sind ... Was meinen Sie?“

„Ja, man muß erklären, daß nicht wir es gewesen sind. Und mein Vater wird ja nicht dabei sein,“ meinte Iwan Fedorowitsch.

„Das fehlte noch! Mit Ihrem Vater! Dieses verfluchte Mittagsmahl!“

Einstweilen gingen sie doch alle drei. Der kleine Mönch schwieg und spitzte die Ohren. Unterwegs, als sie durch das Wäldchen gingen, bemerkte er nur einmal, daß Seine Hochwürden schon lange warteten und sie sich um eine ganze halbe Stunde verspätet hätten. Er erhielt aber keine Antwort. Miussoff blickte haßerfüllt Iwan Fedorowitsch von der Seite an:

„Und er geht auch wirklich hin, als wäre überhaupt nichts vorgefallen!“ dachte er bei sich. „Eherne Stirn und Karamasoffsches Gewissen!“

VII.
Der Seminarist und Streber

Aljoscha führte seinen Staretz in das kleine Schlafgemach und ließ ihn sich auf das Bett niedersetzen. Es war ein kleines Zimmer, in dem nur die notwendigsten Möbel standen. Das eiserne Bett war klein und schmal, und auf ihm lag anstatt einer Matratze nur eine Filzdecke. In der Ecke unter den Heiligenbildern stand sein Lesepult, und auf ihm lagen ein Kreuz und die Bibel. Der Staretz sank erschöpft auf das Bett; seine Augen glänzten, und er atmete nur schwer. Nachdem er sich gesetzt hatte, richtete er seinen Blick auf Aljoscha und betrachtete ihn aufmerksam, als ob er über etwas nachdächte.

„Geh, mein Liebling, geh, Porfirij wird hier bei mir bleiben, du aber mußt dich beeilen. Du bist dort nötig, geh zum Prior, bediene beim Essen.“

„Bitte, erlauben Sie mir, hier zu bleiben,“ bat Aljoscha leise.

„Du bist dort nötiger. Dort herrscht kein Friede. Du wirst dich nützlich machen können. Wenn die Dämonen sich erheben, so sprich ein Gebet. Und wisse, mein Sohn“ (der Staretz liebte es, ihn so zu nennen), „daß auch hinfort nicht hier dein Platz ist. Denk daran, Jüngling. Wenn es Gott gefallen wird, mich in die Ewigkeit abzurufen – so gehe fort aus dem Kloster. Verlaß es ganz.“