Iljuscha schwieg, doch sah er noch einmal Koljä lange und unverwandt an. Aljoscha erhaschte einen Blick von Koljä und winkte ihm aus allen Kräften ab, der wandte sich aber wieder zurück und gab sich den Anschein, als hätte er nichts bemerkt.

„Fortgelaufen ist er und umgekommen. Wie sollte er auch nicht nach einem solchen Frühstück umkommen,“ sagte Koljä schneidend und unbarmherzig, indessen schien ihm aber doch die Stimme nicht recht zu gehorchen. „Dafür habe ich Pereswonn ... Ein altslawischer Name ... Ich habe ihn mitgebracht, ich werde ihn dir zeigen ...“

„Ist nicht nötig!“ unterbrach ihn plötzlich Iljuschetschka.

„Nein, nein, du mußt ihn durchaus sehen ... Er wird dich zerstreuen. Ich habe ihn absichtlich hergebracht ... er ist ebenso langhaarig wie jener ... Erlauben Sie, gnädige Frau, meinen Hund hereinzurufen?“ wandte er sich plötzlich an Frau Ssnegireff in großer Aufregung.

„Nicht, nicht!“ rief Iljuscha mit trauriger Stimme aus. Vorwurfsvoll blickten seine Augen.

„Würden Sie vielleicht ...“ der Hauptmann stürzte von der Kiste, auf der er an der Wand gesessen hatte, vor. „Sie würden vielleicht ... zu einer anderen Zeit ...“ stotterte er, aber Koljä, der auf dem Seinen bestand, ließ sich nicht mehr aufhalten und rief Ssmuroff zu: „Ssmuroff, öffne die Tür!“ und wie der sie geöffnet hatte, pfiff er einmal kurz dem Hunde, und Pereswonn stürzte ins Zimmer.

„Hopp, Pereswonn, mach den Diener, den Diener!“ schrie Koljä, erhob sich und zog den Hund, der auf den Hinterbeinen aufrecht stand, an Iljuschas Bett heran. Da ereignete sich aber etwas ganz Unerwartetes: Iljuscha zuckte zusammen und beugte sich mit dem ganzen Körper vor, beugte sich über Pereswonn und sah ihn wie erstarrt an:

„Das ist ja ... Shutschka!“ rief er plötzlich mit vor Freude und Leid zitterndem Stimmchen aus.

„Und was glaubtest du denn?“ rief Krassotkin mit lauter Stimme, beugte sich zum Hunde nieder, ergriff ihn und hob ihn zu Iljuscha aufs Bett.

„Sieh, Freund, sieh, dieses Auge fehlt, und hier das linke Ohr ist eingerissen, genau die Merkmale, die du mir angegeben hast. Nach diesen Merkmalen habe ich ihn denn auch gefunden. Gleich damals, so schnell wie möglich. Er gehörte ja niemandem, er war ja herrenlos!“ erklärte er, sich an den Hauptmann, an seine Frau, an Aljoscha wendend, und dann fuhr er wieder zu Iljuscha fort, – „er war bei Fedotoffs auf dem Hinterhof, er hoffte wohl da was abzukriegen, die fütterten ihn aber nicht, ein Landstreicher ist er ja, einer aus dem Dorf ... So habe ich ihn aufgefunden ... Siehst du, Freund, er hat damals dein Stück nicht hinuntergeschluckt. Denn wenn er es verschluckt hätte, dann wäre er ja doch sicher krepiert, sicherlich! Er muß es folglich zur rechten Zeit noch ausgespien haben, denn er lebt ja noch. Du hast es nur nicht bemerkt, wie er es ausspie. Ausgespien hat er es, die Stecknadel wird aber seine Zunge gestochen haben, darum hat er denn auch so gewinselt. Und du dachtest, daß er es ganz hinuntergeschluckt hätte. Er wird ja schon furchtbar gewinselt haben, das glaube ich, denn bei Hunden ist die Haut im Maule sehr zart ... zarter als beim Menschen, viel zarter!“ bestand Koljä eifrig darauf, mit heißem und vor Begeisterung strahlendem Gesicht.